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TEST Gemüsebreie: Gemüse für Anfänger


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Rundum perfekt ist keiner der Fertig-Gemüsebreie für Babys im Test. In allen steckt problematisches Furan, das sich bei der industriellen Breiherstellung bildet. Ein Brei enthält zudem das Schwermetall Cadmium.


RATGEBER

1 Die „guten“ Breie im Test enthalten nur wenig Furan. Damit sich möglichst viel davon verflüchtigt, Gemüsebrei mit geöffnetem Deckel erwärmen und mehrfach umrühren.

2 In selbst gekochtem Brei sammelt sich kein Furan. Am besten Bio-Zutaten verwenden.

3 Gemüsebreie nicht längere Zeit warmhalten und auch nicht wieder aufwärmen. Es können sich sonst Keime vermehren oder der Problemstoff Nitrit ...

Artikelbild für den Artikel "TEST Gemüsebreie: Gemüse für Anfänger" aus der Ausgabe 3/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 3/2021

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... bilden.

Foto: Anna Pekunova/getty images Illustrationen: Ihnatovich Maryia/Shutterstock

Nach vier bis sieben Monaten brauchen Babys noch mehr als Mutteroder Fläschchenmilch: Es ist Zeit für die erste Beikost. Von jetzt an stehen auch Gemüsebreie auf dem Speiseplan. Sie liefern sättigende Ballaststoffe und viele Vitamine und Mineralstoffe. In den praktischen Fertigbreien im Gläschen steckt aber leider noch mehr als gesundes Gemüse: Alle Produkte enthalten den Stoff Furan, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als möglicherweise krebserregend einstuft. Die Mengen sind klein, akut gefährlich ist der Stoff nicht, aber die Industrie sollte sich bemühen, den Stoff in den Gläschen weiter zu minimieren.

Ein Fertigbrei-Problem

Denn Furan bildet sich beim Erhitzen von Lebensmitteln in geschlossenen Behältnissen wie eben bei der Sterilisation von Babygläschen. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme zu Leberschäden, hohe Dosen sogar zu Leberkrebs. Für Menschen können laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) derzeit langfristige Schäden nicht ausgeschlossen werden. Grenzwerte oder sichere tolerierbare Aufnahmemengen für den Stoff haben die Behörden bisher nicht festlegen können, weil sie schlicht noch zu wenig wissen.

Untersuchungsämter orientieren sich deshalb an den niedrigsten Werten, bei denen im Tierversuch erste Schäden aufgetreten sind, und beziehen diese auf einen Säugling mit acht Kilogramm Körpergewicht. Je weiter der Sicherheitsabstand zu den kritischen Furan-Aufnahmewerten, desto wahrscheinlicher ist das Produkt für Säuglinge unbedenklich. Anders gesagt: je weniger Furan, desto besser.

Hohe Nitratwerte

Drei Babybreie kritisieren wir wegen ihrer Nitratgehalte. Aus Nitrat kann durch Bakterien im Mund und Magen Nitrit entstehen. Daraus können sich im Körper wiederum krebserregende Nitrosamine bilden. Nitrit behindert zudem den Sauerstofftransport im Blut. Die Gehalte, die wir kritisieren, liegen zwar unterhalb des strengen gesetzlichen Höchstgehalts. Dennoch gilt für uns auch hier: Weniger ist besser.

Rossmann-Brei mit Cadmium

Der Babydream Rahmspinat in Kartoffelgemüse ist mit Cadmium belastet. Das giftige Schwermetall kann auf Dauer die Nieren schädigen. Würde ein Beispiel-Baby mit acht Kilogramm Körpergewicht täglich diesen Spinat-Brei essen, dann würde es die laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) tolerierbare regelmäßige Aufnahmemenge pro Woche überschreiten.


„Furan lässt sich in Fertigbreien nicht komplett vermeiden. Gesund wird es dadurch leider nicht.“
Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin


Diese Einordnung zeigt die Dimension des gefundenen Wertes: Der Stoff ist in deser Menge zwar nicht akut giftig und nicht hochgefährlich, aber die Belastungen sind nennenswert und reichen bei regelmäßiger Aufnahme an offiziell festgelegte Toleranzmengen heran. Aus unserer Sicht sind unbelastete Produkte in jedem Fall die bessere Wahl.

Den Mund zu voll genommen

„Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen“ – das steht auf den Gemüsebreien von Hipp und ähnlich auf dem Bebivita-Brei. Die Hersteller heben damit wohl auf das in ihren Produkten enthaltene Rapsöl ab. Denn darin steckt die Vorläuferfettsäure Alpha-Linolensäure (ALA), die im Körper zur Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt werden kann. DHA ist tatsächlich wichtig für Gehirn und Nervensystem. Der Haken bei der Auslobung: Die Umwandlung ist minimal, wie Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, erklärt: „Studien haben gezeigt, dass Rapsöl nichts zur DHA-Versorgung von Säuglingen beiträgt. Wenn zum Beispiel bei Eltern, die ihre Kinder vegetarisch oder vegan ernähren, aufgrund dieses Claims der Eindruck entsteht, ihr Kind wäre durch den rapsölhaltigen Gemüsebrei schon ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren versorgt, ist das falsch.“ Gegen Gesetze verstoßen die Anbieter mit ihrem vollmundigen Claim nicht. Die Aussage befindet sich seit 2011 in der Prüfung durch die EFSA und darf mindestens so lange weiter verwendet werden, bis eine Entscheidung gefallen ist. Die Babys von heute sind dann vielleicht schon groß.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird das Design überarbeitet und die Alterskennzeichnung von „nach dem 4. Monat“ auf „ab dem 5. Monat“ umgestellt. 2) Laut Anbieter wird auf PVC-freie Deckel umgestellt. 3) Deklarationsmangel: Auslobung Alpha-Linolensäure (ALA, eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen. 4) Das Produkt enthält 59 Prozent Gemüse. Wir bewerten das als „in Ordnung“, weil zusätzlich anstelle von Kartoffeln 30 Prozent gekochter Reis enthalten sind. 5) Laut Anbieter wurde die Formulierung der Alterskennzeichnung umgestellt von „nach dem 4. Monat“ auf „ab dem 5. Monat“. 6) Laut Anbieter gibt es 2021 ein Relaunch mit neuen Rezepturentwicklungen, bei denen unter anderem auf Reisgries verzichtet werde.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Nitratgehalt von mehr als 100 mg/kg. Dies entspricht mehr als 50 Prozent des gesetzlichen Höchstwertes in Beikost für Säuglinge und Kleinkinder laut Kontaminantenverordnung; b) ein Gehalt an Cadmium, der zur Überschreitung der tolerierbaren Tagesaufnahme führt, berechnet aus einem Siebtel des PTWI (wöchentliche Aufnahme) von 2,5 μg/kg Körpergewicht. Wir haben ein Gläschen von 190 g sowie ein Körpergewicht von 8 kg zugrunde gelegt; c) ein Furangehalt von mehr als 27 μg/kg (in der Tabelle „erhöht“). Berechnungsbasis Furan: Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Furan orientieren wir uns an einer von der EFSA 2017 veröffentlichten Risikoabschätzung. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden, hohe Dosen Furan sogar zu Leberkrebs. Messbare Wirkungen traten ab 64 μg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag für die nicht krebserregende Wirkung bzw. ab 1.310 μg/kg KG pro Tag für eine krebserregende Wirkung auf. Liegen die Furangehalte um einen Faktor ≥ 100 für die nicht krebserregende bzw. ≥ 10.000 für die krebserregende Wirkung unterhalb dieser Werte, gelten sie als toxikologisch unbedenklich. Für ein Kind mit 8 kg KG, dass ein Gläschen mit 190 g Inhalt am Tag komplett isst, ergibt sich daraus, dass Breie mit mehr als 5,5 μg Furan/ kg den Sicherheitsabstand von ≥ 10.000 zur kanzerogenen Wirkung bzw. mit mehr als 27 μg Furan/kg auch den Sicherheitsabstand ≥ 100 zur nicht kanzerogenen Wirkung unterschreiten. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Furangehalt von mehr als 5,5 bis 27μg/kg (in der Tabelle „leicht erhöht“), b) ein Gemüseanteil (bei Produkten mit Reis wurde auch der Reisanteil hinzugerechnet) von weniger als 70 Prozent (in der Tabelle „gering“).
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Deklarationsmangel: Auslobung „Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen“ oder „Omega-3 (ALA) wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen“. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2103.
Einkauf der Testprodukte: Oktober/November 2020. Preise können aufgrund der bis Ende 2020 befristeten
Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen. Dieser Test löst den Test Gemüsebreie aus der ÖKO-TEST App Eltern 8/2017 und dessen Wiederveröffentlichung im Jahrbuch Kleinkinder 2018 ab.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/ oder verbreitet werden.

GEMÜSE PLUS

Mittagsbrei mit allem, was das Baby braucht

Eisenquellen

Pure Kartoffel- und Reisgemüsebreie sind für ein paarmal die Woche fein. Insbesondere für die Versorgung mit Eisen und Zink empfehlen Experten wie das Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) den Babys aber ansonsten Gemüsebrei mit Fleisch zu geben. Wer sein Baby ohne Fleisch ernähren möchte, füttert Gemüsebreie mit eisenreichem Vollkorngetreide wie Haferflocken und etwas Vitamin-C-reichem Saft.

Fisch im Brei

Wegen der wichtigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren empfiehlt Kinderernährungsexperte Berthold Koletzko, Babys im Beikostalter zweimal wöchentlich einen (Fertig-) Brei mit fettreichem Fisch wie Lachs zu geben. Das habe den weiteren Vorteil, dass eine frühe Begegnung mit Fisch späteren Allergien vorbeugt. Eltern, die ihren Kindern keinen Fisch geben möchten, empfiehlt Koletzko, den Kinderarzt nach passenden Supplementen auf Algenbasis zu fragen. Von einer komplett veganen Babyernährung raten viele Fachgesellschaften wie das Netzwerk Gesund ins Leben ab. Wenn, dann müssten Eltern Eisen, Zink, Omega-3-Fettsäuren und Calcium gezielt einplanen und Vitamin-B12-Präparate geben.

So haben wir getestet

Im Alter von vier bis sieben Monaten erwacht bei Säuglingen das Interesse, die Welt des Essens zu entdecken. Die Eltern dürfen jetzt die erste Beikost servieren. Wir haben 20 Gemüsebreie eingekauft. 18 von ihnen sind für Babys ab dem fünften (bzw. nach dem vierten) Lebensmonat ausgelobt, zwei ab dem sechsten. Neben Kartoffeln oder Reis enthalten die Breie verschiedene Gemüse von B wie Brokkoli über P wie Pastinaken bis hin zu Z wie Zucchini.
Spezialisierte Labore untersuchten die Produkte für uns auf Pestizide, Schwermetalle und Keime. Außerdem bestimmten sie die Nitrat- und Nitritgehalte. Aus dem natürlicherweise in Gemüse enthaltenen Nitrat kann sich Nitrit bilden, das die Sauerstoffbindung des Blutes beeinträchtigen kann. Außerdem stand Furan auf unserem Prüfprogramm. Der im Tierversuch krebserregende Stoff entsteht beim Erhitzen und Sterilisieren von Gemüsebreien.
Anhand der Deklaration erfassten wir, ob ordentlich Gemüse im Glas ist, denn manche Anbieter verkaufen mehr Wasser im Brei als andere.


Fotos: Anja Wägele; bigacis/shutterstock Illustrationen: Ihnatovich Maryia/Shutterstock