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TEST Gemüsebreie mit Fleisch


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ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 07.04.2022
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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 4/2022

RATGEBER

1 Sechs Breie punkten mit dem Gesamturteil „gut“. Sie sind nur sehr gering mit Furan belastet.

2 Abwechslung zwischen verschiedenen Gemüseund Fleischsorten ist gut für die geschmackliche Horizonterweiterung und die Nährstoffversorgung.

3 Beim Selberkochen sammelt sich normalerweise kein Furan an. Dafür am besten Bio-Gemüse und Bio-Fleisch verwenden.

Eigentlich ist die Sache klar: Babynahrung muss frei von Schadstoffen sein. Denn kleine Kinder sind besonders empfindlich. Doch: In allen 18 getesteten Gemüsebreien mit Fleisch hat das von uns beauftragte Labor Furan gefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diesen Stoff als möglicherweise krebserregend ein. In acht Produkten waren die Gehalte aus unserer Sicht sehr niedrig. Sechs dieser Produkte schneiden deshalb auch im ÖKO-TEST­ Gesamturteil mit „gut“ ab. Kritischer sehen wir die Furanbelastung der zehn restlichen Breie, die wir ...

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... als „erhöht“ bewerten.

Furan entsteht beim Erhitzen von Gemüse. Es entweicht aber in die Luft und ist beim Kochen am heimischen Herd eher kein Thema. Anders sieht es bei der industriellen Herstellung von Fertiggläschen aus: Bei der Sterilisation der Fertigbreie sammelt sich der Stoff an.

Den Herstellern ist es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, die Gehalte deutlich zu senken, und akut gefährlich ist keine der festgestellten Belastungen. Noch weniger wäre aber noch besser. Denn: In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden; hohe Dosen führten zu Leberkrebs. Zu langfristigen Schäden beim Menschen weiß man bisher noch zu wenig. Einen offiziellen Grenzwert gibt es bislang nicht. In unserer Bewertung orientieren wir uns an den Werten, bei denen in Tierversuchen erste Schäden aufgetreten sind. Je weiter der Abstand zu diesen Werten, desto besser.

WISSEN

Bloß kein Stress!

Auf dem Etikett steht „nach dem 4. Monat“, aber das Kind verschließt beharrlich fest den Mund und hat kein Interesse an Brei? Alles gut!

Der persönliche Start für Beikost ist individuell und kann auch erst mit sechs Monaten erfolgen. Das Baby ist bereit für Breie, wenn es sich zunehmend für das Essen der älteren Familienmitglieder interessiert. Öffnet es den Mund, wenn ein gefüllter Löffel auf es zukommt, und drückt es den Brei nicht mehr mit der Zunge raus, kann es losgehen. Wichtig: Babys unter vier Monaten sind zu jung für Beikost, weil Nieren und Verdauungssystem noch nicht ausreichend entwickelt sind.

Um Missverständnissen vorzubeugen, schreiben deshalb mittlerweile viele Hersteller „ab dem 5. Monat“ statt „nach dem 4. Monat“ auf ihre Etiketten.

Mit offenem Deckel aufwärmen

Ein wenig lässt sich die Belastung senken, wenn man die Fertigbreie bei geöffnetem Deckel erhitzt und sie dabei umrührt. Dann verflüchtigt sich ein Teil des Furans. Anbieter Hipp schickte uns für seine drei Breie im Test Gutachten, wonach der Furangehalt im fertig zubereiteten Brei um gut 16 bis knapp 38 Prozent niedriger war. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) geht von etwa 15 bis 30 Prozent Verflüchtigung aus.

Eisenversorgung

Für die Eisenversorgung braucht es nicht zwingend Fleisch. In der vegetarischen Babyernährung liefert Vollkorngetreide Eisen, und Vitamin C aus Fruchtsaft macht das Eisen pflanzlichen Ursprungs gut aufnehmbar. Wer dagegen seinem Baby regelmäßig einen Brei mit Fleisch gibt, geht eher davon aus, dass dieser ordentlich Eisen liefert. In den Gläschen Alete bewusst Spaghetti in Gemüsecreme mit Pute, Babylove Gartengemüse mit Reis und Huhn sowie Holle Kürbis mit Huhn ist der Eisengehalt relativ gering.

Schiefer Werbespruch

„Alpha-Linolensäure (eine Omega 3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn-und Nervenzellen“ steht auf den drei getesteten Breien von Hipp. Tatsächlich steckt in den Produkten Rapsöl, das wiederum Alpha-Linolensäure enthält. Sie kann im Körper zu der wichtigen Omega-3­Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt werden. Allerdings: Die umgewandelte Menge ist bei Säuglingen eher gering. Rapsöl leistet deshalb keinen relevanten Beitrag zu ihrer DHA-Versorgung. Eine gute Quelle für DHA – auch für Säuglinge – ist Fisch oder ersatzweise Algenöl (siehe Beikosteinmaleins auf Seiten 72 bis 76). Wenn die Werbeaussage von Hipp suggeriert, dass der Fertigbrei das Baby schon bestens mit Omega-3-Fettsäuren versorgt, führt das aus unserer Sicht in eine falsche Richtung. Der Hersteller hat uns mittlerweile angekündigt, die Auslobung wegzulassen. Sobald wir die Produkte mit verändertem Etikett im Handel finden, werden wir das Testergebnis aktualisieren.

„Weder Pestizide noch Mineralöl: Babybrei wird tatsächlich sorgfältiger produziert als viele andere Fertiglebensmittel.“

Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128.

Anmerkungen: 1) Laut Anbieter sind die Deckeldichtungen seit Anfang Januar 2022 auf eine PVC/PVDC-freie Variante umgestellt (erkennbar ab Charge 20962333) bzw. MHD 3.11.2023). 2) Laut Anbietergutachten liegt der Furangehalt in einem Bereich, den wir als „leicht erhöht“ bewerten würden. 3) Laut Anbieter wird ab dem MHD 12.1.2023 auf PVC-freie Deckel umgestellt. 4) Laut Anbieter wird ab dem MHD 14.10.2023 auf PCV-freie Deckel umgestellt. 5) Laut Anbieter wird im August 2022 die Rezeptur überarbeitet (erkennbar am MHD 7/2025). 6) Laut Anbieter ist das Produkt inzwischen auf die Altersauslobung „ab dem 5. Monat“ umgestellt. 7) Laut Anbieter sollte Anfang 2022 der Claim „Alpha-Linolensäure (eine Omega 3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn-und Nervenzellen“ vom Etikett entfernt werden. Im Februar haben wir im Handel noch das alte Etikett gefunden.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Furangehalt von mehr als 27 Mikrogramm pro Kilogramm (μg/kg) (in der Tabelle „erhöht“). Berechnungsbasis Furan: Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Furan orientieren wir uns an einer von der Efsa 2017 veröffentlichten Risikoabschätzung. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden, hohe Dosen Furan sogar zu Leberkrebs. Messbare Wirkungen traten ab 64 μg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag für die nichtkrebserregende Wirkung bzw. ab 1.310 μg/kg KG pro Tag für eine krebserregende Wirkung auf. Liegen die Furangehalte um einen Faktor ≥ 100 für die nichtkrebserregende bzw. ≥ 10.000 für die krebserregende Wirkung unterhalb dieser Werte, gelten sie als wahrscheinlich unbedenklich. Für ein Kind mit 8 kg Körpergewicht, das ein Gläschen mit 190 Gramm Inhalt am Tag komplett isst, ergibt sich daraus, dass Breie mit mehr als 5,5 μg Furan/kg den Sicherheitsabstand von ≥ 10.000 zur kanzerogenen Wirkung bzw. mit mehr als 27 μg Furan/kg auch den Sicherheitsabstand ≥ 100 zur nichtkanzerogenen Wirkung unterschreiten; b) ein Nitratgehalt von mehr als 100 Milligramm pro Klogramm. Dies entspricht mehr als 50 Prozent des gesetzlichen Höchstwerts in Beikost für Säuglinge und Kleinkinder laut Kontaminantenverordnung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Furangehalt von mehr als 5,5 bis 27 μg/kg (in der Tabelle „leicht erhöht“), b) ein Eisengehalt von weniger als 0,57 mg/190 g. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Deklarationsmangel: Auslobung „Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn-und Nervenzellen“. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/T2204.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 10/2021 und Jahrbuch Kinder & Familie für 2022. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/ zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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