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TEST Getreidebreie


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ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 13.10.2022
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Eigentlich sind die Getreidebreie, die wir für diesen Test ausgewählt haben, eine gute Sache. Denn sie kommen ohne überflüssige süßende Zusätze aus – was in vielen anderen Produkten für Babys und Kleinkinder leider nicht der Fall ist. Die Breie im Test hingegen rührt man mit heißem Wasser oder mit Milch an, gibt etwas zerdrücktes oder püriertes Obst dazu – fertig. Lecker. Aber auch frei von Arsen, Mineralölbestandteilen und Spritzgiften?

Wir haben 21 Breie untersuchen lassen und können davon mehr als zwei Drittel empfehlen: elf mit Gesamturteil „sehr gut“, vier mit „gut“. Allerdings führen in etlichen Breien Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen und Schimmelpilzgiften zum Notenabzug. Die beiden Reisbreie im Test enthielten krebserregendes Arsen.

Risikofaktor Reis

So hat das beauftragte Labor im Hipp Bio Getreidebrei Reis 100 % und dem Holle Bio Vollkorngetreidebrei Reis anorganisches ...

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... Arsen nachgewiesen. Arsen kommt natürlicherweise im Boden vor, die Reispflanze nimmt besonders viel davon auf und reichert es an. Im Holle-Produkt liegt der gefundene Gehalt oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts für Reis, aus dem Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder hergestellt werden. Das bewerten wir streng, auch wenn es noch keinen Grenzwert für den fertigen Babybrei gibt. Notwendig wäre er. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat genau das bereits im Jahr 2014 zum besseren Schutz der Kinder gefordert. So oder so bleibt Arsen ein Problem: Laut den BfR-Experten könnten Säuglinge und Kleinkinder auch bei der Einhaltung des Grenzwerts – im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht betrachtet – hohen Belastungen mit dem krebserregenden Stoff ausgesetzt sein.

Laut BfR sollten Eltern durch einen Verzehrhinweis darüber informiert werden, dass sie ihren Kindern Lebensmittel aus Reis nur in Maßen geben sollten. Auf keinem der beiden Reisbreie im Test findet sich ein solcher Hinweis.

Glutenfreie Breie

Manche Eltern bevorzugen Reisbrei, weil Reis kein Gluten enthält. Im Test sind aber noch weitere Breie als glutenfrei ausgelobt (in der Tabelle: „glutenfrei“). Es gibt Säuglinge, die mit Beginn der Getreidebeikost eine Zöliakie entwickeln. Dann ist es wichtig, glutenfrei zu füttern und auch auf eine Kennzeichnung zu achten. Hafer zum Beispiel ist nur dann glutenfrei, wenn der Hersteller solchen verwendet, der sicher getrennt von Weizen, Dinkel und Gerste verarbeitet wurde. Gesunden Kindern vorbeugend glutenfreie Beikost zu geben, bietet nach derzeitigem Kenntnisstand keine Vorteile. Das Expertennetzwerk Gesund ins Leben empfiehlt lediglich, Gluten in der Beikost zunächst in kleinen Mengen einzuführen: nur eine Nudel, einen Löffel Getreidebrei geben und dann schrittweise steigern.

ÖKO TEST

RATGEBER

► Wegen der möglichen Arsenbelastungen Säuglingen und Kleinkindern nicht jeden Tag Reisbrei oder Reiswaffeln geben.

► Zum Kennenlernen schrittweise zunächst mit einem Löffelchen Brei aus einer Getreideart starten.

► Kindern im Beikostalter nicht mehr als 200 Milliliter Kuhmilch – inklusive der im Milchgetreidebrei – füttern. Kuhmilch enthält viel Eiweiß. Das belastet die Nieren der Babys.

Mit Mineralölbestandteilen

Sechsmal monieren wir Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Fünfmal waren die Gehalte nach ÖKO-TEST-Bewertung nur „leicht erhöht“. Anders beim Löwenzahn Organics Bio Baby Porridge Hafer Pur. Dieser schneidet wegen unserer Meinung nach „erhöhter“ Gehalte insgesamt nur „befriedigend“ ab. MOSH sammeln sich im menschlichen Körper an – mit welchen gesundheitlichen Folgen ist noch völlig unklar. Aus Gründen des vorbeu-genden Verbraucherschutzes gilt für uns: je weniger, desto besser. Eine mögliche Quelle für Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen sind technische Öle an Produktionsanlagen.

Schimmelpilzgifte

Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen stellen in Getreide das größte gesundheitliche Risiko dar. Wir ließen die Breie deshalb auf ein großes Spektrum an Substanzen analysieren. Gefunden hat das Labor ausschließlich sogenannte T-2- und HT-2-Toxine. Diese stammen von Pilzen, die das Getreide schon auf dem Feld befallen. Sie sind zellgiftig und können das Immunsystem schwächen. Im Dm Bio Hafer Getreidebrei, den Kölln Bio Original Schmelzflocken und dem Töpfer Bio Getreidebrei Hafervollkorn waren die Gehalte aus unserer Sicht „erhöht“.

Das Beste zum Schluss

Pestizide fand das Labor nur zweimal in geringen Spuren, weitere Schwermetalle und umstrittene Zusatzstoffe waren auch kein Thema.

Fett gedruckt sind Mängel.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“ [Kölln] bzw. „frei von Konservierungs- und Farbstoffen laut Gesetz“ [Milupa]). 2) Das Produkt ist kein Instantbrei und muss zunächst aufgekocht werden. Laut einem chargengleichen Anbietergutachten war der Gehalt an MOSH/MOSH-Analogen in einem niedrigeren Bereich, den wir nur als „leicht erhöht“ bewerten würden. Außerdem wird laut Anbieter die Verpackung im vierten Quartal 2022 auf eine Verpackung mit Außenkarton und Innenbeutel aus recycelbarer Monomaterialfolie mit einer Barriereschicht zur Gewährleistung der Produktsicherheit umgestellt. 3) Laut einem Anbietergutachten war weniger anorganisches Arsen nachweisbar, in einem Gehalt, den wir als „erhöht“ bewerten würden. Die für das Gutachten untersuchte Produktionscharge war für uns jedoch nicht nachvollziehbar. 4) Laut Anbieter erhalten die Produkte ein neues Verpackungsdesign bei unveränderter Rezeptur. Der Dreikornbrei werde ab Mitte August und der Dinkelbrei ab Anfang September im neuen Verpackungsdesign in die Verkaufsstellen einfließen. 5) Weitere Anbauländer der Getreide sind laut Anbieter Deutschland, Polen und Ungarn. 6) Weitere Anbauländer der Getreide sind laut Anbieter Ungarn, Tschechien, Litauen, Polen und Italien. 7) Laut Anbieter wird das Produkt voraussichtlich nur noch bis Ende 2022 in den Dm-Märkten verfügbar sein.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung vier Noten: ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 0,1 mg/kg (in der Tabelle „stark erhöht“). Solche Gehalte liegen oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts für Reis für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder gemäß Verordnung (EG) Nr. 1881/2006. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 0,05 bis 0,1 mg/kg (in der Tabelle „erhöht“); b) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/ MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle „erhöht“); c) ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer Portion mit 22 Gramm des Produkts zu einer Überschreitung des von der EFSA festgelegten TDI von 0,02 µg/kg Körpergewicht bezogen auf ein Kind mit 7,2 Kilogramm Körpergewicht führt (in der Tabelle „T-2/HT-2 erhöht“).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle „leicht erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“ bzw. „frei von Konservierungs- und Farbstoffen laut Gesetz“).

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 08/2022.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.