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TEST Kichererbsen: Alleskönner


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 25.03.2021

Kichererbsen liefern Eiweiß und Eisen und sind in der Küche vielseitig einsetzbar. 14 von 20 getesteten Produkten aus Glas und Dose schneiden „sehr gut“ ab. Das Pestizid Glyphosat ist in den anderen immer noch ein Problem.


RATGEBER

1 Vorteil Bio-Kichererbsen: Bei ihrem Anbau dürfen keine Pestizide eingesetzt werden.

2 Gut zu wissen bei der Verarbeitung: Die Kichererbsen in Glasund Dosenkonserven sind schon gesalzen.

3 Kräftige Kräuter wie Thymian, Majoran, Kümmel, Fenchel, Koriander, Rosmarin oder Lorbeer machen die Hülsenfrüchte bekömmlicher.

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Foto: Peter Schulte Illustrationen: Epine/Shutterstock

Im Grunde ...

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... verkörpert die Kichererbse das ideale Lebensmittel. Mit ihrem milden nussigen Geschmack ist die traditionell im mediterranen Raum beliebte Hülsenfrucht vielseitig einsetzbar. Sie ist – nicht nur für Veganer – ein toller Lieferant von Eisen, Zink und hochwertigem pflanzlichen Eiweiß. Die Ballaststoffe aus Kichererbsen unterstützen die Darmgesundheit und damit das Immunsystem.

Doch wie gut sind die Produkte im Handel? Unser Test zeigt viele einwandfreie Marken. Allerdings: In Kichererbsen aus konventionellem Anbau steckt häufig das problematische Pestizid Glyphosat. Um das Verbot dieses Stoffs tobt seit Jahren ein Streit. Eine Konserve fällt mit „ungenügend“ komplett durch, weil die Kichererbsen einen gesetzlichen Pestizidgrenzwert überschreiten.

Bienengift über Grenzwert

In den K-Classic Kichererbsen von Kaufland hat das von uns beauftragte Labor neben Spuren von Glyphosat das Insektengift Pirimiphos- methyl festgestellt. Der Wert übersteigt den Rückstandshöchstgehalt, der in der Europäischen Union für Kichererbsen gilt. Pirimiphos-methyl ist unter anderem sehr giftig für Lebewesen in Gewässern und für Bienen. Immerhin: Der Hersteller will auf unser Ergebnis reagieren. „Wir haben die von Ihnen übermittelten Werte zum Anlass genommen, den Sachverhalt genau zu prüfen und vorsorglich die betroffene Charge aus dem Verkauf genommen“, teilte uns Kaufland mit.

Das Kaufland-Produkt enthält, wie auch die Suntat Kichererbsen, zudem das Unkrautvernichtungsmittel 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D). Die Interna- tionale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat den Stoff als möglicherweise krebserregend eingestuft, die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem als gewässergefährdend.

Glyphosat, das das Labor in insgesamt sechs Produkten in Spuren gefunden hat, stuft die IARC als wahrscheinlich krebserregend ein, die europäische Behörde ECHA hingegen, sieht keinen Krebsverdacht.

Deutschland ist bislang zwar kein Anbauland für Kichererbsen. Aber Glyphosat gespritzt wird auch hier. Der Einsatz hat erhebliche Auswirkungen auf die Öko-Systeme. „Glyphosat tötet alles, was grün ist, und entzieht Insekten damit die Lebensgrundlage“, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze in einer Pressemitteilung im Februar anlässlich der Einigung des Kabinetts auf ein Insektenschutzpaket. Im Rahmen dessen war endlich auch ein Komplettverbot von Glyphosat von 2024 an beschlossen worden. Laut Schulze ein großer Erfolg. Umweltschützer lobten die Entscheidung mit Blick auf den dramatischen Rückgang der Insekten als überfällig. Der Schönheitsfehler: Der Ausstieg steht keinesfalls fest.


„14 von 20 Kichererbsen im Test zeigen: Es geht ohne Pestizidbelastung.“


Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin


Zukunftsträchtig: Kichererbsen brauchen warmes, sonnenreiches Klima und kommen gut mit Dürrephasen zurecht.

Verbot? Ja, nein, vielleicht.

Das geplante deutsche Verbot fällt genau auf das Ende der aktuellen EU-weiten Zulassung für Glyphosat plus Übergangsfrist. Ein nationaler Alleingang vorher ist laut dem zuständigen Landwirtschaftsministerium rechtlich nicht möglich. Heißt im Umkehrschluss: Falls das umstrittene Herbizid in der EU über 2023 hinaus doch erlaubt bleibt, müsste auch Deutschland seinen Ausstieg vertagen. Eine Gruppe von Pestizidproduzenten, die sich Glyphosate Renewal Group nennt, hat bereits 2019 einen Antrag auf Wiederzulassung gestellt und einen Genehmigungsprozess in Gang gesetzt. 2022 sollen sowohl die Chemikalienagentur ECHA als auch die Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre neuen Bewertungen vorlegen, bevor die EU-Mitgliedstaaten wieder über Glyphosat abstimmen. Der Termin liegt nach der Bundestagswahl in Deutschland und nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich.

So haben wir getestet

Wir haben 20 Kichererbsen-Konserven in Supermärkten, Discountern und Bio-Märkten eingekauft, darunter acht Bio-Produkte. Die Preise liegen zwischen 59 Cent und 1,49 Euro pro 400 Gramm.
Wir ließen die Kichererbsen auf Pestizide untersuchen, unter anderem auf das bedenkliche Glyphosat. Außerdem analysierten Labore die Hülsenfrüchte auf Schwermetalle wie Nickel, Arsen und Cadmium und auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen. Deckeldichtungen und -beschichtungen von Gläsern und Dosen basieren häufig noch auf PVC, welches die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung belastet. Wir ließen alle Verpackungen auf chlorierte Verbindungen untersuchen, denn es gibt mittlerweile nachhaltigere Alternativen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung. 2) Weiterer Mangel: mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier: Glyphosat) in einem ökologisch erzeugten Produkt. Laut Anbieter sind die Kunden informiert und dazu aufgefordert, die betroffene Charge zu blocken. Man werde der Ursache der Verunreinigung auf den Grund gehen und ab sofort jede Kichererbsen-Charge auf Glyphosat untersuchen lassen. Betroffen sei nur die aktuell von uns untersuchte Charge GF1 CC LE115 BIO L2 LES. 3) Laut Anbieter wird innerhalb der nächsten drei Monate auf Deckel mit BPA-NI Innenschicht auf Basis von Polyester umgestellt. 4) Laut Anbieter erfolgt in circa drei Monaten eine Umstellung auf komplett PVC-freie Dosen. 5) Laut Anbieter wurde die betroffene Charge (in unserem Test war die Charge FD2 CC17 LE278) vorsorglich aus dem Verkauf genommen. 6) Laut Anbieter bezieht er den überwiegenden Teil seiner Kichererbsen aus europäischem Anbau.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: a) ein Gehalt des Pestizids Pirimiphos-methyl über dem EU Rückstandshöchstgehalt für getrocknete und frische Samen von (Kicher-)Erbsen von 0,01 mg/kg (in der Tabelle: „1 Pestizid über Höchstgehalt“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt des Pestizids 2,4-D, der die EU-Rückstandshöchstmenge von 0,05 mg/kg für getrocknete und frische Samen der Erbse zu mehr als 20 bis 50 % ausschöpft (in der Tabelle: „1 Pestizid erhöht“); b) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat); Quelle für die Einstufung: Pestizid Aktions-Netzwerk. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids in einem Bio-Produkt. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2104.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2020.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

KLEINE KICHERERBSENKUNDE

Orientalische Herkunft

Kichererbsen sollen schon vor mehr als 8.000 Jahren im Vorderen Orient angebaut worden sein und sich von dort aus über Griechenland und Italien in Europa verbreitet haben. Die krautige Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler bildet in ihren knapp drei Zentimeter großen Früchten zwei kantige, etwas unregelmäßige Samen, die wir als Kichererbse kennen.

Getrocknet oder vorgekocht

Kichererbsen in getrockneter Form müssen mindestens zwölf Stunden eingeweicht, die oben schwimmenden Exemplare dann aussortiert werden. Wichtig: Die eingeweichten Früchte dürfen wie auch die meisten anderen Hülsenfrüchte nicht roh geknabbert werden, weil sie Stoffe enthalten, die die roten Blutkörperchen verklumpen können. Die Kochzeit der eingeweichten Trockenerbsen beträgt bis zu zwei Stunden. Vorgekochte Konserven wie in unserem Test kann man direkt verarbeiten.

Tipps fürs Kochen

Säurehaltige Zutaten wie Zitronensaft, Essig und Tomaten besser erst nach dem Garen hinzugeben, sonst wird die Schale hart. Beim Kochen nur wenig umrühren, damit die Schalen nicht platzen. Neben Hummus und Falafel unbedingt ausprobieren: Eintöpfe, Currys und Suppen mit Kichererbsen. Aus Kichererbsenmehl lassen sich süße oder herzhafte Teigfladen oder auch Kuchenböden zubereiten.


Fotos: Anja Wägele; DedovStock/Shutterstock; innakreativ/Shutterstock

Foto: Jiri Hera/Shutterstock