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Test Milchbreie: Fertig. Aus!


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 19.09.2014

Wasser drauf, rühren, fertig: Getreide-Milch-Breie, die die Milch schon in Pulverform enthalten, sind schnell zubereitet. Doch unser Testergebnis spricht dafür, lieber öfter selbst Breimahlzeiten aus warmer Milch und puren Getreideflocken zuzubereiten. Denn die Fertigprodukte enthalten viel Zucker, Fettschadstoffe und Reste von Reinigungsmitteln.


Artikelbild für den Artikel "Test Milchbreie: Fertig. Aus!" aus der Ausgabe 9/2014 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: © Stockbytea

Milch, Getreide und etwas Obst – mehr braucht man nicht, um einen Milch-Getreide-Brei zuzubereiten. Wer es noch einfacher haben möchte, kann auf Fertigbrei aus der Packung zurückgreifen. Dieser braucht nur noch mit Wasser angerührt zu werden. ...

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... Die Kehrseite der Medaille: Die Fertigprodukte enthalten Milch in Form von Molken- oder Magermilchpulver, des Weiteren zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe – was laut Diätverordnung allerdings vorgeschrieben ist – und sind nicht selten mit Zucker und ähnlichen Stoffen gesüßt.

Häufig wird immer noch klassischer Haushaltszucker, also Saccharose, zugesetzt. Manchmal stolpert man in den Zutatenlisten über Traubenzucker – auch als Glucose bezeichnet. Eine verbreitete Zutat ist darüber hinaus Maltodex trin. Dabei handelt es sich um ein Kohlenhydratgemisch, das durch Abbau aus Stärke hergestellt wird und aus Zuckern unterschiedlicher Kettenlängen besteht. Je kürzer die Ketten sind, desto süßer schmeckt Maltodextrin. Die heute eingesetzten Maltodextrine sind üblicherweise aber kaum noch süß. Einen auf den ersten Blick nicht erkennbaren Beitrag zur Süße liefert „teilweise aufgeschlossenes“ Getreide, wie es in manchen Breien zu finden ist. Dabei kommt es durch den enzymatischen Abbau von Getreidestärke zu einem höheren Glukosegehalt im Produkt – und es es schmeckt süßer. Trick 17 wenden Hersteller auch mit dem Zusatz von Fructooligosacchariden an. Das ist ein Mehrfachzucker, der als verdauungsfreundlicher Ballaststoff wirken soll, jedoch ebenfalls zur Süße beiträgt. Letztlich führt auch die Anreicherung mit Milchzucker zu süßeren Produkten.


Ernährungsexperten fordern seit Jahren, auf Zuckerzusätze in Babynahrung zu verzichten


Kinderärzte und Ernährungsexperten fordern seit Jahren, auf Zuckerzusätze in Babynahrung zu verzichten, da stark gesüßte Speisen die Gefahr einer frühen Prägung auf die Geschmackspräferenz „süß“ bergen – was die Entstehung von Übergewicht und Karies fördert. Zu viel Süße ist auch deshalb ungünstig, weil Kinder dann kaum Chancen haben, den unverfälschten, natürlichen Geschmack von Getreide und Milch kennenzulernen, ergänzt Dr. Annett Hilbig vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE).

Besonders problematisch für die kleinen Zähnchen sind Saccharose, Glucose und Fructose (Fruchtzucker), da sie von Bakterien schnell und mühelos in Säuren umgewandelt werden, die den empfindlichen Zahnschmelz angreifen. Etwas weniger kariogen wirken Maltodextrin und Milchzucker. Ob sich letztlich eine Karies entwickelt, hängt selbstverständlich von weiteren Faktoren ab. So ist vor allem die Zeit, in der Zuckerstoffe auf den Zahn einwirken, entscheidend, betonen Zahnmediziner.

Weil Eltern beim Thema Zucker in der Regel ganz genau hinsehen, vertrauen viele lieber gleich auf Bio. Diese Produkte gelten als zuckerarm oder sogar zuckerfrei und wenig verarbeitet. Dies zu überprüfen, war ein Ziel unseres Tests. Wir kauften daher fünf Bio-Milchbreie und sechs Produkte von einschlägigen, konventionellen Herstellern. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand die Zuckeranalytik. Aber auch auf Schadstoffe ließen wir die Breie testen.

Das Testergebnis

■ … ist durch die Bank schlecht. Nicht einmal die Bio-Milchbreie konnten überzeugen. Im Gegenteil. Sie sind auch noch mit Schadstoffen belastet. Kein Produkt schneidet besser als mit „ausreichend“ ab. Eines der schlechtesten kommt von Milupa. Mit einem Gesamtzuckergehalt von rund 22 Gramm pro zubereiteter Breiportion – das entspricht gut sieben Stücken Würfelzucker inklusive der natürlichen Süße der Zutaten – ist der Milupa Grießbrei mit Milch das süßeste Produkt im Test.

ÖKO-TEST rät

■ Am besten den Brei selbst zubereiten – siehe unser Rezept. Als Getreidekomponente können auch reine Getreidebreie aus der Packung verwendet werden.
■ Kinder brauchen manchmal etwas Zeit, bis sie einen neuen Geschmack akzeptieren. Eine kleine Menge Obst oder Saft in den Getreidebrei kann vielleicht helfen.
■ Den Brei immer mit dem Löffel füttern, nicht zum Trinken geben.

■ Schon die Zutatenlisten mancher Produkte verraten, hier ist Zucker (Saccharose) zugesetzt. Bei den konventionellen Herstellern betrifft dies die Breie von Bebivita, Nestlé und Milupa (Griesbrei). Im Babydream Bio Milchbrei Grieß wurde Traubenzucker (Glucose) zugefügt – zur Geschmacksgebung und als schneller Nährstofflieferant, wie Anbieter Rossmann mitteilt. Genau dieser Effekt sei jedoch ungünstig, urteilt Ernährungsexperte und Kinderarzt Professor Bertold Koletzko. Insgesamt weisen fast alle Breie einen Gesamtzuckergehalt auf, der den eines nach den Empfehlungen des FKE zubereiteten Milch-Getreide-Breis übersteigt. Darin sind rund 12 Gramm Zucker aus Milch und Obst enthalten. Weniger Zucker liefern nur die Breie von Alnatura und Holle.
■ Auch Bio-Breie enthalten Maltodextrin. Nur Hersteller Hipp verzichtet in seinem Bio-Milchbrei Kindergrieß auf den Zuckerstoff. Die Argumentation der anderen Bio-Anbieter: Maltodextrin werde vor allem zur Konsistenzgebung benötigt. Weil Maltodextrin keine süßende Wirkung hat, aber dennoch kariogen wirkt, ziehen wir für den Zusatz einen Punkt ab. Der Zusatz der noch problematischeren Verbindungen Saccharose und Glucose – sie machen den Brei süß und fördern Karies – wurde um zwei Noten abgewertet.
■ Fast jeder Brei enthält entweder Vanille extrakt, Zimt oder Aromen dieser Geschmacksrichtungen. Zur Geschmacksabrundung, sagen die Hersteller. Aus Sicht des FKE sind Gewürze und Aromastoffe wie Vanillin in Babynahrung aber überflüssig. Es ist in der Tat inakzeptabel, dass Kinder schon so früh an die typischen Aromen industriell hergestellter Süßwaren gewöhnt werden sollen.
■ Die Bio-Breie im Test enthalten Rückstände von Desinfektions- und Reinigungsmitteln. Die Stoffe, um die es geht, heißen kurz DDAC und BAC und zählen zu den quartären Ammoniumverbindungen (QAV). Sie kamen 2012 erstmals ins Gerede. Schnell wurde klar, dass QA-Vhaltige Reinigungsmittel ein Teil des Problems sind. Solche Reiniger wurden unter anderem in der Milchgewinnung und -verarbeitung eingesetzt. Etliche Betriebe stellten um, wobei offenbar ausgerechnet die Bio-Branche hinterherhinkt, wie unser Test zeigt. Allerdings würden die Minimierungsmaßnahmen vorangehen, betonten der Diätverband und der Bundesverband Naturwaren Naturkost (BNN), sodass in Kürze keine Rückstände mehr zu erwarten seien.

■ Erhöhte Mengen von als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ eingestuften Fettschadstoffen traten vor Jahren noch gehäuft auf. In diesem Test sind nur die Milchbreie von Alnatura und Holle betroffen. Auch hier trifft es Bio-Anbieter. Es ist bekannt, dass hier noch häufiger Palmfett eingesetzt wird, das stärker mit den schädlichen 3-MCPD-Fettsäureestern belastet ist.

Milch-Getreide-Brei selbst kochen

Zutaten für eine Portion:
200 ml Vollmilch (3,5 % Fett)
20 g Vollkorngetreide(flocken) oder Grieß
2 EL Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst

Zubereitung:
1. Die Getreideflocken in die kalte Milch einrühren, dann aufkochen. Wird Grieß verwendet, diesen in kochende Milch einrühren.
2. Den Brei in beiden Fällen circa drei Minuten weiterkochen lassen.
3. Fruchtsaft oder zerdrücktes Obst unterrühren – fertig.

Foto: Elena Schweitzer/iStock/Thinkstock