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TEST MINERALWASSER: KLAR WIE QUELLWASSER


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 17.10.2019

Wasser ist Leben. Viele der 53 untersuchten Mineralwässer können wir rundum empfehlen. Ein guter Trend: Immer mehr Wässer gibt es in Glasflaschen. Ein schlechter: Einige sind mit Abbauprodukten von Pestiziden oder Süßstoffen belastet.


ÖKO-TEST RÄT

► Wir können viele Mineralwässer empfehlen. Schauen Sie vor allem nach Marken aus Ihrer Region.
► Nicht jedes Mineralwasser ist reich an Mineralien. Laut Gesetz darf ein Wasser „mit hohem Gehalt an Mineralien“ werben, wenn es umgerechnet mehr als 1.500 mg/l Mineralstoffe enthält.

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Foto: Lilly Bloom/getty images

Mineralwasser war in seinem früheren Leben einmal ...

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... Regenwasser. Regenwasser, das über eine lange Zeit durch kleine Risse und Spalten im Erdboden in die Tiefe gesickert ist. Seine Verwandlung zum Mineralwasser verdankt es den verschiedenen Boden- und Gesteinsschichten, durch die es auf seinem Weg zur Quelle fließt. Anders als Trinkwasser, das die Wasserwerke meist umfangreich aufbereiten, dürfen die Abfüller natürliches Mineralwasser kaum behandeln. Das Gesetz verbietet das. Das Gesetz, genauer: die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTWV), sagt, dass Mineralwasser „seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen“ haben soll. Experten sprechen von „ursprünglicher Reinheit“.

Soweit die schöne Theorie. Oft funktioniert die Sache mit der ursprünglichen Reinheit auch in der Praxis: 41 Mineralwässer im Test erreichen unter unserem Testergebnis „Ursprüngliche Reinheit“ die Note „sehr gut“. Aber was ist mit den übrigen zwölf Wässern? Die enthalten Stoffe, die mit ursprünglicher Reinheit nichts zu tun haben.

Denn über der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung stehen die Naturgesetze. Und die folgen einer einfachen Logik: Was oben auf die Erde, auf die Felder, auf die Äcker gelangt, kann mit dem Regen in die Tiefen wandern. Menschengemachte Einträge können das Regenwasser auf seinem Weg zum Mineralwasser bis an die Quelle begleiten. Spritzen die Bauern Gift auf ihre Äcker, hält kein Gesetz der Welt diese Gifte davon ab zu versickern. Sie versickern, zersetzen sich und ihre Abbauprodukte sickern tiefer.

Wir haben in diesem Test in elf Mineralwässern Pestizidmetaboliten nachgewiesen – das sind Abbauprodukte von Spritzgiften. Sie wirken nicht mehr wie die Pestizide, zeigen aber an, dass diese einmal im Einsatz waren. Vor allem Reste von Unkrautvernichtungsmitteln aus dem Rüben- und Maisanbau trüben die Reinheit. Am meisten steckt im Justus Brunnen Spritzig.

In vier Wässern hat das beauftragte Labor Süßstoffe gefunden. Sie sind ein Hinweis dafür, dass Haushaltsabwässer das Mineralwasser verunreinigen. Hier belasten also oberirdische, menschengemachte Verunreinigungen ein Lebensmittel, das als besonders geschützt und besonders rein gilt – sogar laut Gesetz. Für uns ist das Grund genug, diese Produkte abzuwerten, auch wenn keine Gesundheitsgefahr vorliegt.

Der Mensch gibt dem Wasser schon von oben eine ordentliche Belastung mit auf den Weg. Doch auch auf seiner Reise durch die Gesteinsschichten nimmt das Wasser einiges mehr mit. Wichtige Mineralstoffe, Calcium, Magnesium, ja. Steinsieker Classic, Residenz Quelle Spritzig und Forstetal 600 Calciumquelle Fizzy etwa liefern besonders viel Calcium und in der Nürburgquelle Classic steckt besonders viel Magnesium.

Doch das Wasser nimmt auch problematische Stoffe mit – Arsen, Uran und Bor zum Beispiel. Eindeutig zu viel des Schlechten steckt im Apollinaris Classic. Es enthält mehr Bor, als für Trinkwasser erlaubt ist, und mehr Arsen, als wir gutheißen können.

Sicher: Trinkwasser und Mineralwasser sind nicht das Gleiche. Für Trinkwasser gelten andere Regeln als für Mineralwasser. Stimmt – Bor ist in dieser Form nur in der Trinkwasserverordnung geregelt. Deshalb verstößt das Apollinaris Classic auch nicht gegen ein Gesetz. Aber nicht nur ÖKO-TEST pocht in diesem Punkt auf vorsorgenden gesundheitlichen Verbraucherschutz. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass Mineralwasser nicht mehr Bor enthalten soll, als für Trinkwasser erlaubt ist. Auch das BfR beruft sich auf den vorbeugenden Verbraucherschutz und darauf, dass viele Menschen Mineralwasser täglich und in großen Mengen trinken.

Weil das so ist und weil, wer viel trinkt, möglichst wenig schädliche Stoffe mittrinken möchte, wertet ÖKO-TEST auch zweimal Gehalte von Arsen ab, die in Trink- und Mineralwasser gesetzlich noch erlaubt sind. Arsen gilt als krebserregend. Vier Wässer werten wir wegen ihres Urangehalts ab. Auch in diesem Punkt sind wir streng und legen der Bewertung den Vorsorgegrenzwert von Babymineralwasser zugrunde; für normales Mineralwasser gibt es keine Regelung bezüglich Uran. Uran kann sich im Körper anreichern und Nieren und Lunge schädigen.

MEHRWEG IST DER RICHTIGE WEG

Kritische Inhaltsstoffe sind das eine, ökologisch bedenkliche Verpackungen das andere. Weil Mineralwasser zu den Gütern gehört, die wir täglich konsumieren, ist die ökologische Bedeutung der Verpackung ungleich höher als etwa bei einer Tube Senf, die nur einmal im Jahr in unserem Einkaufswagen landet. Unser Urteil ist klar: Mehrweg hat die Nase vorn, an Glas-Mehrweg und PET-Mehrweg-Systemen haben wir nichts auszusetzen.

Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sagt: „Entscheidend ist die Mehrfachnutzung bereits hergestellter Flaschen. PETMehrweg dreht bis zu 25-mal die Runde, Glas-Mehrweg bis zu 50-mal. Das spart enorme Mengen an Material und Energie.“ PET-Mehrweg schneide durch sein geringeres Gewicht beim Transport einen kleinen Tick besser als Glas-Mehrweg ab. Blieben die Transportwege kurz, relativiere sich das aber, so der Experte.

Anders liegt die Sache bei PETEinweg. Zwar hat die Branche nachgebessert und packt jetzt recyceltes Plastik in die neu produzierten Flaschen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um an Mehrweg heranzukommen. Denn auch Mehrwegabfüller arbeiten an Verbesserungen. „Leichtere Flaschen und der Einsatz von Recyclingmaterialien – das findet auch bei Mehrweg statt“, sagt Fischer. Weiße Glasflaschen etwa bestehen heute zu rund 60 Prozent aus Altglas, grüne aus bis zu 80 Prozent. Hinzu kommen Einsparungen bei der Reinigung der Flaschen.

Einweg bewerten wir deshalb nach wie vor schlechter, jedoch differenzierter als in der Vergangenheit: Ist kein oder weniger als die Hälfte Recyclingmaterial in der Flasche, werten wir stärker ab. Liegt der Anteil an Recyclingmaterial bei mindestens 50 Prozent, kann ein Einwegwasser immerhin noch „gut“ abschneiden.

Anmerkungen: 1) Auslobung als „Bio“ basiert auf einem Siegel des Instituts Fresenius Premiummineralwasser mit Bio-Qualität. 2) Leicht erhöhter Urangehalt. Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. 3) Produkt ist als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ ausgelobt. Bezüglich der Parameter Nitrat, Mangan, Arsen und Uran stimmen unsere Messergebnisse mit den besonderen gesetzlichen Anforderungen für diese Produktgruppe überein. 4) PET-Mehrweg. Laut Anbieter ist das Produkt auch in Glas-Mehrweggebinden erhältlich. 5) Glas-Mehrweg. Laut Anbieter ist das Produkt auch in PET-Mehrweggebinden erhältlich. 6) Erhöhter Arsengehalt. Laut mehreren Anbietergutachten lag der Arsengehalt in chargengleichen Rückstellmustern knapp unter unserer Abwertungsgrenze. 7) Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen. Laut mehreren Anbietergutachten zu Produkten mit gleichem MHD war der von unserem Labor gefundene Pestizidmetabolit nicht nachweisbar. 8) Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen. Weiterer Mangel: PET-Einweg, keine Angabe zu Recycling. Laut Anbietergutachten waren in dem Wasser der Quelle keine Pestizidmetaboliten nachweisbar. Ein Bezug zu dem Testprodukt ergab sich daraus nicht. 9) Weiterer Mangel: PET-Einweg, 25 % Recyclinganteil. Laut Anbieter soll der Recyclinganteil künftig kontinuierlich erhöht werden, etwa über die Rückführung der abgegebenen PET-Einwegflaschen und deren Verarbeitung zu Recyclat. 10) Weiterer Mangel: PET-Einweg, mindestens 55 % Recyclinganteil. Auslobung als „Bio-Mineralwasser“ basiert auf den Richtlinien der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e. V. Laut Anbieter beträgt der Recyclinganteil der PET-Einwegflasche 100 Prozent; einen unabhängigen Nachweis für das getestete Produkt legte der Anbieter aber nicht vor. Die Zertifizierung als Bio-Mineralwasser erfordert jedoch einen Mindestrecyclinganteil von 55 Prozent. Laut Anbieter ist das Produkt ab Herbst 2019 auch in der Glas-Mehrwegflasche erhältlich. 11) Weiterer Mangel: PET-Einweg, 50 % Recyclinganteil. Laut Anbieter soll der Recyclinganteil weiter erhöht werden. 12) Drei Pestizidmetaboliten nachgewiesen, davon zwei mit erhöhtem Gehalt. Laut Anbieter wurde für das Produkt ein neuer Brunnen erschlossen, der durch zwei in sich geschlossene Tonschichten vor anthropogenen Einträgen geschützt sei und keine nicht relevanten (Pestizid-)metaboliten aufweise. Die neue Quelle sei bereits amtlich anerkannt und liefere in wenigen Wochen Mineralwasser für das Produkt Odenwald Quelle. 13) Weiterer Mangel: PET-Einweg, kein unabhängiger Nachweis für Recyclinganteil. Laut Anbieter beträgt der Recyclinganteil bis 30 Prozent. Unabhängige Nachweise für das jeweilige getestete Produkt legten die Anbieter aber nicht vor. 14) Weiterer Mangel: PET-Cycle, kein unabhängiger Nachweis für Recyclinganteil. Laut Anbieter beträgt der Recyclinganteil 75 Prozent. Unabhängige Nachweise für das jeweilige getestete Produkt legten die Anbieter aber nicht vor. 15) Glas-Mehrweg. 16) PET-Mehrweg. 17) Leicht erhöhter Nitratgehalt. 18) Weiterer Mangel: PET-Einweg, keine Angabe zu Recycling. 19) Erhöhter Urangehalt 20) Erhöhter Borgehalt. 21) Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen. 22) Leicht erhöhte Uran- und Nitratgehalte. 23) Weiterer Mangel: PET-Einweg, 0 % Recyclinganteil. 24) Leicht erhöhter Nitratgehalt. Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen. 25) Leicht erhöhter Urangehalt. Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen mit erhöhtem Gehalt und zwei Süßstoffe. 26) Ein Pestizidmetabolit nachgewiesen mit erhöhtem Gehalt. 27) Leicht erhöhter Nitratgehalt. Fünf Pestizidmetaboliten nachgewiesen, davon drei mit erhöhtem Gehalt, und ein Süßstoff. 28) Drei Pestizidmetaboliten und zwei Süßstoffe nachgewiesen. 29) Zwei Pestizidmetaboliten nachgewiesen mit erhöhtem Gehalt. 30) Ein Süßstoff nachgewiesen. 31) Stark erhöhter Bor- und erhöhter Arsengehalt. 32) Laut Anbieter ist das Produkt mit einem neuen Etikett erhältlich. 33) Zwei Pestizidmetaboliten nachgewiesen, davon ein erhöhter Gehalt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein stark erhöhter Borgehalt von mehr als 1.000 μg/l. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Urangehalt von mehr als 5 bis 10 μg/l; b) ein erhöhter Arsengehalt von mehr als 5 bis 10 μg/l; c) ein erhöhter Borgehalt von mehr als 500 bis 1.000 μg/l. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein leicht erhöhter Urangehalt von mehr als 2 bis 5 μg/l; b) ein leicht erhöhter Nitratgehalt von mehr als 10 mg/l.

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Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 7/2019. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.