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TEST Mittel gegen Lebensmittelmotten: Mach die Flatter


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 29.04.2021

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RATGEBER

Von Motten befallene Lebensmittel entsorgen, Umgebung gründlich reinigen. Pheromon-Fallen können helfen, neuen Befall schneller zu erkennen. 

Wer gut reinigt, braucht nicht auch noch Sprays. Pestizide wie Permethrin oder Esbiothrin sind in den eigenen vier Wänden tabu. 

Trockene Lebens- mittel wie Mehl, Haferflocken und Gewürze luftdicht lagern, etwa in Gläsern mit Gummi- dichtung.

Erwischen kann es uns alle: Lebensmittelmotten lassen sich über gekaufte Ware einschleppen oder sie kommen durchs geöffnete Fenster. Um sie loszuwerden, hat der Handel Pumpsprays mit Wirkstoffen im Angebot, die Insekten vertreiben oder abtöten sollen. Wir halten sie allerdings für keine geeignete Methode. Von sieben Sprays im Test fallen drei sogar mit „ungenügend“ durch, wegen Insektiziden, die auch für uns Menschen giftig sind.

Pheromon-Klebefallen hingegen sollen männliche Motten aus dem Verkehr ziehen. ...

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... Sie sind kein Muss, können aber unter Umständen dabei helfen, einen Befall frühzeitig zu erkennen. Von 25 Fallen sind allerdings nur sieben „sehr gut“. Von der Wirksamkeit der anderen sind wir nicht überzeugt.

Wer in den eigenen vier Wänden eine Motte bemerkt, klärt am besten zunächst, ob es sich um eine Lebensmittelmotte handelt. Die wichtigste Art hierzulande ist die Dörrobstmotte, gut zu erkennen an den rötlichen Enden ihrer Flügel – auf dieser Seite sehen Sie drei Exemplare abgebildet. Jetzt gilt es herauszufinden, ob sich nur eine einzelne Motte verirrt hat, oder ob Lebensmittel befallen sind. Dafür bleibt nichts anderes übrig, als jene Orte genau zu inspizieren, an denen trockene, pflanzliche Lebensmittel lagern. Und natürlich auch die Ware selbst: Finden sich feine Gespinste, kleine Löcher in Verpackungen oder weiße Larven?

Klebefallen können den Befall ermitteln 

Wenn wiederholt Motten auftauchen, aber nicht klar ist, woher sie kommen, können Pheromon-Klebefallen bei der Suche helfen. Sie enthalten die Hauptkomponente des Sexuallockstoffs der Weibchen. Dieser Stoff mit der Abkürzung ZETA lockt Männchen an, die dann auf den Fallen kleben bleiben. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sie Männchen verwirren und so deren Fortpflanzung verhindern können.

Für die sieben „sehr guten“ Klebefallen sehen wir die Wirksamkeit als ausreichend belegt an. Sechs von ihnen haben ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dessen Rahmen Behörden bescheinigt haben, dass sie wirken. Zu erkennen sind diese Produkte an einer Zulassungsnummer auf ihrer Verpackung, beginnend mit „EU“ oder Länderkürzeln wie „DE“ oder „AT“.

Alle Hersteller baten wir darüber hinaus um aussagekräftige Studien zu ihren Produkten. Anbieter Dm belegte die Wirksamkeit des Profissimo Nature Lebensmittelmotten-Monitors aus unserer Sicht überzeugend. Diese Falle schneidet deshalb ebenfalls „sehr gut“ ab.

Vermarktet werden dürfen Pheromon-Fallen auch ohne Zulassung, sofern sie erkennbar der Befallskontrolle dienen. Gesundheitliche Auswirkungen der Motten-Pheromone auf Menschen sind bei einer Anwendung gemäß Anleitung nicht zu erwarten. Trotzdem sollte man die Fallen vorsichtshalber von Kindern fernhalten, schon allein wegen des Leims.

Am wichtigsten: gründliches Reinigen 

Selbst mit den sieben „sehr guten“ Fallen sollte aber niemand erwarten, alle Lebensmittelmotten loszuwerden. Weibchen wirken auf Männchen attraktiver als die Fallen. Und paart sich auch nur ein einziges Männchen bevor es der Falle auf den Leim geht, kann das begattete Weibchen mehrere hundert Eier ablegen. Dann beginnt die Plage erneut.

Die wichtigste Maßnahme bei Mottenbefall bleibt deshalb rigoroses Reinigen: befallene Lebensmittel wegwerfen und alle Oberflächen und Ritzen konsequent säubern. Dabei bitte nicht die Regallöcher in den Seitenwänden vergessen. Zum Putzen reicht gewöhnliches Spül- oder Reinigungsmittel.

Oft genügt eine gründliche Putzaktion, um alle Motten loszuwerden. Wer sich da nicht sicher ist, kann zur Kontrolle Pheromonfallen anbringen. Die können allerdings auch falschen Alarm auslösen, indem sie einzelne Motten von draußen anlocken und einen Befall vorgaukeln.

„Das Esbiothrin- Verbot zeigt: Es ist wichtig, dass Behörden genau hinsehen, um Verbraucher zu schützen. Leider dauert das oft zu lange.“

Weshalb wir von Sprays abraten 

Mottensprays sind häufig sowohl gegen Kleider-als auch gegen Lebensmittelmotten ausgelobt. Von den sieben in unserem Test beruhen drei auf den synthetischen Pestiziden Esbiothrin und Permethrin; zwei auf Chrysanthemen-und Margosa-Extrakt; eines auf Geraniol; und eines auf Lavandinöl. Diese Wirkstoffe sind dafür bekannt, Insekten zu vergrämen oder zu töten. Man soll sie gemäß Produktangabe direkt auf befallene Stellen sprühen, oder dorthin, wo ein Befall wahrscheinlich ist. Wie gut sie wirken, hängt auch von der Handhabung durch Anwender ab.

Aus unserer Sicht sind solche Sprays keine effiziente Art, Motten in Küche oder Vorratskammer zu bekämpfen. Befallene Stellen muss man ohnehin gründlich reinigen. Sie noch dazu mit Spray zu behandeln, ist unserer Meinung nach unnötig. Deshalb schneidet keines der sieben Sprays unterm Strich besser ab als „befriedigend“.

Hinzu kommt: Pestizide können auch Menschen schaden. Besonders kritisch sehen wir die Wirkstoffe Permethrin und Esbiothrin im DFNT Anti-Motten Spray, im Envira Mottenspray und im Patronus Anti Motten Spray. Beide Stoffe wirken nervengiftig und können Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen, wenn sie in zu großer Menge aufgenommen werden.

LEBENSMITTEL VOR BEFALL SCHÜTZEN

Das Mottenweibchen legt seine Eier möglichst nah an die künftige Nahrungsquelle des Nachwuchses, bevorzugt direkt auf das Lebensmittel oder die Verpackung. Die Larven mögen Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Mandeln, aber auch Schokolade, Tee und Tiertrockenfutter. Einfallstore können winzige undichte Stellen in der Verpackung sein, etwa ein Falz oder ein schlecht sitzender Schraubverschluss.

Es empfiehlt sich deshalb, trockene Lebensmittel gasdicht aufzubewahren. Das geht gut mit Mehl, Haferflocken oder Gewürzen. Ist die Originalverpackung nicht luftdicht, am besten umfüllen, zum Beispiel in Einmachgläser mit Dichtgummi. Schraubverschlüsse sind nicht immer dicht genug, im Zweifel beim Hersteller erkundigen. Achtung: Waren mit Restfeuchte wie etwa frische Backwaren schimmeln bei gasdichter Lagerung. Hier die Gläser mit Baumwolle abdecken und den Stoff am Rand mit Gummiband gut abdichten. Nüsse lassen sich im Kühlschrank lagern.

Esbiothrin sahen sich Experten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zuletzt genauer an. Ergebnis: In Insektiziden sei das Risiko für die menschliche Gesundheit nicht akzeptabel, weil sich Esbiothrin durch Sonnenlicht zu Substanzen abbaue, die Veränderungen im Erbgut auslösen könnten. Nach einem Beschluss der EU-Kommission müssen Insektizide mit Esbiothrin damit spätestens Ende Januar 2022 vom Markt. Das gilt auch für die drei genannten Mottensprays.

Naturstoffe weniger bedenklich 

Am Gerobug Protect Motten-Spray und am Insect-Out Mottenspray kritisieren wir Chrysanthemen-Extrakt. Wie Permethrin und Esbiothrin ist es nervengiftig, baut sich aber bei Sonnenlicht relativ schnell ab. Wir bewerten es deshalb weniger streng als die beiden anderen.

Das Silberkraft Mottenspray setzt auf Geraniol, das in Kosmetika als Duftstoff Verwendung findet. Geraniol ist akut und chronisch weniger giftig für Menschen als die zuvor genannten Pestizide. Und das Naturgut Anti-Motten Spray beinhaltet einen Wirkstoff aus der Lavendelart Lavandula hybrida. Auch dieser Stoff ist vermutlich weniger toxisch, auch wenn es noch an Daten mangelt. Sowohl Geraniol als auch Lavandinöl können allerdings Kontaktallergien hervorrufen.

TEST

ÖKO TEST

Wir haben getestet 

So haben wir getestet

Wir haben in Drogerien, Baumärkten und im Onlinehandel 25 Klebefallen und 7 Sprays gegen Lebensmittelmotten eingekauft. Die meisten Klebefallen sollen männliche Motten mit Pheromonen anlocken, ein Produkt setzt auf gelbe Farbe. Die Sprays beinhalten unterschiedliche Wirkstoffe, die Motten vergrämen oder töten sollen: Lavandinöl, Geraniol, Chrysanthemen-Extrakt, Margosa-Extrakt, Esbiothrin und Permethrin.

Für die Wirkstoffe in den Sprays ließen wir ein Gutachten zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen erstellen. Außerdem fragten wir alle Hersteller nach Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte belegen. Und wir überprüften bei zugelassenen Produkten die Zulassungsdokumente. Wir warfen zudem einen kritischen Blick auf die Auslobungen und ließen die Verpackungen von einem Labor auf chlorierte Verbindungen untersuchen.

Sprays gegen Lebensmittelmotten einzusetzen, sehen wir grundsätzlich kritisch – noch dazu, wenn sie besonders giftige Insektizide enthalten. Das gibt Notenabzüge im Testergebnis Inhaltsstoffe. Bei Klebefallen ziehen wir Noten ab, wenn die produktspezifische Wirksamkeit nicht durch aussagekräftige Dokumente belegt ist.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.

Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Laut Anbieter wird das Design des Produkts angepasst. Die neuen Waren flössen im Sommer 2021 unter der neuen GTIN 4058172737473 in die Märkte ein. 3) Laut Anbieter wird das Design des Produkts angepasst. Die neuen Waren flössen im Sommer 2021 unter der neuen GTIN 4010355492449 in die Märkte ein. 4) Weiterer Mangel: Klebefalle deklariert „Die einfachste Möglichkeit alle los zu werden“ und „Sie werden sehen, Sie bekommen alle“, ist aber nur zur Befallsermittlung geeignet. Laut Anbieter ist die auf dem getesteten Produkt als Anbieter angegebene Firma Skynet inzwischen abgemeldet. Ein Restkontingent an Mottenfallen mit dem alten Aufdruck würde abverkauft. Voraussichtlich werde das Produkt von der Firma Haasenglück weiter in Verkehr gebracht. Neben der Angaben zum Anbieter werde die Auslobung „Sie werden sehen, Sie bekommen alle“ entfernt und ein Hinweis zum Monitoring ergänzt. Design und Zusammensetzung blieben unverändert.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: synthetische Insektizide in Sprays (hier: Kombination aus Permethrin und Esbiothrin). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Klebefalle, deren produktspezifische Wirksamkeit nicht überzeugend belegt ist; b) Klebefalle ohne Pheromon, die auf das Wirkprinzip gelbe Farbe setzt; c) Anwendungsform Spray; d) Chrysanthemen-Extrakt in Sprays.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Klebefalle ausgelobt mit „Die einfachste Möglichkeit alle los zu werden“ und „Sie werden sehen, Sie bekommen alle“, ist aber nur zur Befallsermittlung geeignet. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Hersteller-/Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2105.

Einkauf der Testprodukte: Januar und März 2021.

Dieser Test löst den Test Mittel gegen Vorratsschädlinge aus dem ÖKO-TEST Magazin 07/2015 und dessen Neuveröffentlichungen im Ratgeber Bauen 2016, Jahrbuch für 2016 und Jahrbuch für 2017 ab.

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