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TEST Muffinformen aus Silikon: Dicke Luft


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 17.11.2022
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RATGEBER

1 Silikonbackformen vorm ersten Gebrauch waschen und eine Stunde lang bei 200 Grad Celsius ausheizen. Dabei gut lüften.

2 Auch wenn auf der Verpackung höhere mögliche Temperaturen stehen, Silikonformen besser nicht auf mehr als circa 200 Grad Celsius erhitzen.

3 Das Silikon kann Fett aus dem Teig aufnehmen und dadurch klebrig werden. Am besten gleich nach Gebrauch mit Spülmittel reinigen, aber nicht schrubben.

Z usammenhängendeMuffinformen aus Silikon sind praktisch, einzelne bunte Silikonformen machen sich gut auf der Festtafel. Und: Im Gegensatz zu Papierförmchen sind sie wiederverwendbar. Aber setzen Backformen aus dem Kunststoff wirklich keine Stoffe frei, die nicht ins Essen gehören? Teils, teils. In unserem Test von 20 Muffinbackformen fallen sieben durch, weil sie mehr flüchtige organische Verbindungen ausgedünstet haben, als das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt. ...

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... Ob darunter gesundheitlich bedenkliche Stoffe sind, können wir nicht ausschließen. Sechs davon gaben im Labor außerdem unserer Auffassung nach zu viel Bestandteile ans simulierte Backgut ab. Elf Produkte können wir dagegen unterm Strich empfehlen. Bei ihnen waren die Übergänge an Luft und Backgut gering und auch die Funktionsprüfung meisterten sie.

Ausgasungen über Richtwert

Aus Silikonbackformen sollen nicht mehr als 0,5 Prozent flüchtige organische Bestandteile ausdünsten – diesen Richtwert hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegt. Behörden dient er als Indikator für die gesetzlich vorgeschriebene „gute Herstellungspraxis“ – dünsten Produkte mehr aus, beanstanden von uns angefragte Untersuchungsämter solche Produkte. Die sieben Testschlusslichter reißen diesen Richtwert. Warum das gegen eine „gute Herstellungspraxis“ spricht? Hersteller könnten das vermeiden, indem sie die Formen am Ende einfach über einige Stunden ausheizen. So verflüchtigen sich überschüssige Chemikalien. Dass die Hersteller offenbar selbst an einer so einfachen Maßnahme sparen, ist mehr als ärgerlich.

Mit den Ergebnissen konfrontiert kündigte mit eSpring (Gourmeo) gerade einmal einer an, die betroffene Charge vom Markt zurückzurufen. Vier äußerten sich gar nicht. Dm schickte zwei chargengleiche Laborgutachten, in dem die Formen den Richtwert unterschritten. Coox schickte ebenfalls ein Gutachten, da das Produkt jedoch keine Chargennummer trägt, ist nicht nachvollziehbar, ob hier eine Form aus derselben Produktionseinheit untersucht wurde.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hersteller am Ausheizen der fertigen Formen sparen. Das kann aber nicht Aufgabe der Kundinnen und Kunden sein.“

Johanna Michl ÖKO-TEST-Projektleiterin

INFO

Welche Förmchen sollen’s sein?

Silikon: Solche und solche Einzelförmchen aus Silikon sind schön zum Präsentieren der Muffins und lassen sich frei auf dem Backblech anordnen. Dafür sind die zusammenhängenden Formen etwas stabiler beim Befüllen und aufs Backblech stellen.

Papier: Auch nicht ohne Sind Einwegförmchen aus Papier in Sachen Inhaltsstoffe eine bessere Alternative? Nicht unbedingt. So gab es wiederholt Produktrückrufe wegen Belastungen mit dem Schadstoff 3-MCPD, den ÖKO-TEST unter anderem auch in Küchenpapier gefunden hat.

Für Vielbäcker: Metallformen Muffinbleche aus Edelstahl sind nahezu unzerstörbar. Wegen des hohen Energieverbrauchs in der Produktion muss man sie aber auch fleißig benutzen, bevor sie im Vergleich wirklich nachhaltig sind.

Es geht auch ohne Für spontane Backaktionen ohne großen Formenfuhrpark im Küchenschrank finden sich im Internet auch Anleitungen, wie man schnell aus Backpapier Muffinformen faltet. Testergebnisse von Backpapier gibt es auf

Kommt Silikon in den Muffin?

Für Kunststoffe, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, gibt es grundsätzlich einen Grenzwert, wie viel davon übergehen darf. Bei acht Produkten hat das Labor im Granulat, welches das Backgut simulierte, Stoffübergänge oberhalb dieses Grenzwerts gemessen. Dieser gilt aber ausgerechnet für das beliebte Backartikelmaterial Silikon nicht. Wir haben uns dennoch daran orientiert, weil wir meinen, dass Formen, die kein oder nur sehr wenig Silikonmaterial abgeben, allemal die bessere Wahl sind.

Silikon ist zwar auch nach unseren Testergebnissen verschiedener Produkte „sauberer“ als viele andere Weichkunststoffe. Weil es dennoch auch gesundheitlich problematische Verbindungen enthalten kann, beschäftigt sich derzeit das BfR mit den Übergängen von Silikonverbindungen aus Silikonbackformen. Laut dem zuletzt veröffentlichten Protokoll fehlen aber noch Daten, um einen Richtwert für bestimmte Stoffe entwickeln zu können.

Gute Nachrichten gibt’s auch

In einzelnen Silikonprodukten haben wir in vergangenen Tests polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden, von denen einige als krebserregend eingestuft sind. Aktuell hat das Labor erfreulicher Weise in keiner der Muffinformen mehr PAK nachgewiesen.

Backprüfung: bestanden

Zu guter Letzt ist in der Funktionsprüfung keine der Formen durchgefallen. Auch die von den Experten in der Praxis am schlechtesten beurteilten Formen der Marken Depot und Gourmeo schneiden noch mit „befriedigend“ ab. Im Schnitt sind zusammenhängende Silikonbackformen aber etwas leichter zu handhaben als die Einzelförmchen. Die wichtige Anti-Haftwirkung des Materials war bei allen Muffinformen im Test tadellos.

TEST Wir haben getestet

So haben wir getestet

Im Einzelhandel und in Online-Shops haben wir 20 Silikonbackformen für Muffins eingekauft. Zwölf davon sind zusammenhängende Formen für sechs bis zwölf Muffins. Achtmal haben wir Packungen mit einem oder mehreren Einzelförmchen berücksichtigt. Wir ließen analysieren, ob die Weichkunststoffe mit krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt sind. Um zu ermitteln, inwiefern flüchtige organische Bestandteile aus dem Material ausgasen, zerteilten die Laborexpertinnen und -experten das Silikon in kleine Stücke, stellten es für vier Stunden in einen 200 Grad heißen Trockenschrank und wogen die Stückchen jeweils vorher und nachher. Was aber könnte beim Backen in den Muffinteig übergehen? Um das zu simulieren, wanderte das Silikonmaterial, bedeckt mit speziellen Kunststoffkügelchen, für zwei Stunden in einen 175 Grad heißen Trockenschrank. Danach wurde geprüft, wie viel vom Material der Backform in die Kügelchen übergegangen war. Im Fachjargon nennt man das Gesamtmigration. In der Funktionsprüfung begutachteten die Prüfer zudem die Anti-Haftwirkung des Materials und ob sich die Formen gut befüllen, in den Ofen stellen und reinigen lassen.