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TEST Ökostromprodukte: Ausbaufähig


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 28.12.2020

Tragen Ökostromprodukte etwas zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei? Zusätzlich zu dem, was das Gesetz verordnet? Ja. Aber: Von 69 Produkten im Test schneiden nur 10 „sehr gut“ ab.


Artikelbild für den Artikel "TEST Ökostromprodukte: Ausbaufähig" aus der Ausgabe 1/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2021

RATGEBER

1 Die umweltfreundlichste Energie ist die, die erst gar nicht produziert werden muss. Energiesparen ist das Beste für die Energiewende.

2 Ein wirksames Ökostromprodukt trägt transparent, etwa mittels eines klar definierten Aufpreises, zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Viele Anbieter – auch viele, die nicht im Test sind, haben empfehlenswerte Ökostromprodukte.

3 Sie wollen sich an Energiewendeprojekten ...

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... finanziell beteiligen? Manche Anbieter bieten, oft zusammen mit Genossenschaften, schon Beteiligungen im niedrigen dreistelligen Eurobereich an.

Wie kann es sein, dass so wenige Ökostromprodukte „sehr gut“ abschneiden? Warum ist mein Tarif nicht dabei, der hatte doch sonst immer eine gute Note? Und warum so viel rot in der Tabelle? Und so wenig dunkelgrün? Was ist hier los?

Wir haben für diesen Test unsere Testsystematik verändert, weil sich auch der Markt für Ökostromprodukte verändert hat. Das Segment der Ökostromprodukte ist derart unübersichtlich geworden, dass unser erstes Anliegen ist, Klarheit zu schaffen. Wir wollen zeigen, was es eigentlich bedeutet, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher auf Vergleichsportalen wie Verivox oder Check 24 ihren Stromtarif wechseln und ein Produkt wählen, das sich Ökostrom nennt.

Klar ist: Das was wir als Ökostrom kaufen können, hat wenig mit dem zu tun, was die große Energiewende in Deutschland antreibt. Hierzulande gilt: Nur erneuerbarer Strom, dessen Erzeugung nicht via EEG-Umlage vergütet wurde, darf als Ökostromprodukt an Verbraucherinnen und Verbraucher vermarktet werden. Was das im Einzelnen genau bedeutet, erklärt die Wissenschaftlerin Eva Hauser, die die Methodik für ÖKO-Test entwickelt hat, in ihrem Text ab Seite 130. Nicht-wissenschaftlich ausgedrückt: Das was wir als Ökostromprodukte kaufen können, ist das, was außerhalb der Finanzierung durch die Gesetzgebung für erneuerbare Energien entstanden ist oder entsteht.

So sind unter den Tarifen am Markt solche, die auf reinem Zertifikathandel mit norwegischer oder alpiner Wasserkraft aus jahrzehntealten Kraftwerken beruhen. Aus unserer Sicht bringen sie die Energiewende nicht voran. Es gibt aber auch Tarife, mit deren Wahl Verbraucherinnen und Verbraucher in neue regenerative Kraftwerke – außerhalb der Finanzinstrumente des EEG – investieren. In diesem Test geht es uns darum, die Papiertiger von den wirksamen Tarifen zu unterscheiden.

Für uns lauten die entscheidenden Fragen: „Trägt das entsprechende Ökostromprodukt zum zusätzlichen Ausbau der erneuerbaren Energien bei? Oder sorgt es zumindest, mittels eines Post-EEG-Modells (siehe Seite 131), für den Betrieb von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie, die keine EEG-Vergütung mehr erhalten und deren Fortbestand mangels Anschlussvergütung gefährdet ist? Wir haben uns dazu die Internetseiten der Anbieter angesehen.


„Das, was wir als Ökostrom kaufen können, hat wenig mit dem zu tun, was die große Energiewende antreibt.“


Unsere Besten

Zehn Produkte schneiden mit „sehr gut“ ab. Sie leisten aus unserer Sicht klar einen Beitrag zur Energiewende außerhalb des EEG. Auf den Webseiten der Anbieterist transparent ersichtlich, wie viel Geld die Kunden entweder pro Kilowattstunde oder pro Monat zahlen, welches die Anbieter dann in den Ausbau von erneuerbaren Energien stecken. Weiterhin honorieren wir auch, wenn die Unternehmen zusätzliche Anlagen zubauen oder ihren Weiterbetrieb sichern. Die Projekte sind auf den Webseiten der Anbieter detailliert beschrieben und transparent dargestellt.

So investieren die Elektrizitätswerke Schönau etwa 0,5 Cent pro kWh in das Förderprogramm Sonnencent, das ökologische Energieinitiativen und Energie-Genossenschaften mitfinanziert. Auch Strom von Föhr, die mit den EWS zusammenarbeiten, nutzen das Modell des Sonnencents und erhalten auch ein „sehr gut“. Die Stadtwerke Münster verwenden einen Cent pro Kilowattstunde für den Bau neuer Öko-Strom-Anlagen. Pro Kilowattstunde „Wirklich Ökostrom“ von Polarstern geht ein Cent in die Förderung von Erneuerbaren Anlagen, beim Tarif Naturstrom Gold sind es zwei Cent, beim Ökostrom Aktiv von Wemag 0,5 Cent, beim regio Öko+ Strom der Energieversorgung Halle 0,25 Cent. Die Stadtwerke Kleve lassen den Aufpreis von 1,95 Euro im Monat für den CleverStrom 2021 Watergreen in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen.


„Ende 2020 läuft die EEG-Vergütung für die ersten Anlagen aus. Diese Anlagen müssen weiterlaufen.“


Neben diesen direkten finanziellen Beteiligungen honorieren wir auch, wenn die Anbieter der Ökostromprodukte in die Schaffung und Vermarktung von Post-EEG-Modellen (siehe Seite 131) investieren oder wenn sie in der „sonstigen Direktvermarktung“ tätig sind (siehe Seite 132). So baut etwa grün.power zurzeit ein zusätzliches Ü-20-EEG-Angebot auf. Als Ü20-EEG-Anlagen bezeichnen wir Anlagen, die nach 20 Jahren (Ü20 = über 20) nicht mehr durch das EEG vergütet werden. Besonders ist auch die Stellung von Green- peace Energy. Das Unternehmen ist auf allen drei Feldern – Ausbau, Post-EEG-Angebote und sonstige Direktvermarktung – aktiv.

Die Guten

Die Stadtwerke Kassel sind stark in der Vermarktung von Post-EEG-Modellen engagiert. So sorgen sie dafür, dass Anlagen, die nicht mehr mit Geld aus der EEG-Umlage vergütet werden, und die an der Strombörse sonst kaum ausreichende Erlöse erzielen können, auch künftig weiter in Betrieb bleiben können. Denn Ende des Jahres läuft für die ersten Anlagen die Vergütung aus. Wir bewerten es als Beitrag zur Energiewende – außerhalb des EEG – wenn Unternehmen für deren Weiterbetrieb sorgen und damit den Weg bereiten für künftige, neue Ökostromprodukte und honorieren das mit „gut“. Auch Lichtblick hat solche Modelle initiiert und ebenso Vereinbarungen für Neuanlagen außerhalb des EEG, es ist jedoch nicht ersichtlich, ob diese bereits im Portfolio integriert sind.

Das Mittelfeld

Die Ökostromprodukte von drei Anbietern kommen nur auf die Note „befriedigend“. Für die Produkte hammerSTROMklima und teamstrom silber l iegen z war Z ertifikate vor, die Investitionen in erneuerbare Energien vorschreiben. Aber die Auskünfte auf der Webseite spezifizieren die Ausbauwirkung nicht weiter. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wäre an dieser Stelle mehr Transparenz wichtig. 123 energie (Pfalzwerke) verlangt potenziellen Kundinnen und Kunden viel Zeit und Geduld ab, um sich in der Vielfalt der angebotenen Tarife mit den mannigfaltigen Boni, Arbeitspreisen, Grundpreisen, Vertragsdauern, Zertifikaten und Preisunterschieden für Ökostromprodukte über den gewählten Tarif zu informieren.

Noch gravierender sind aus unserer Sicht die Mängel in der Transparenz bei fünf weiteren Produkten. Auch sie sind zwar mit seriösen Zertifikaten ausgezeichnet, die einen Aufpreis und eine Ausbauwirkung beinhalten können. Diese kommunizieren die Anbieter aber nicht klar genug und zusätzlich fehlen teilweise die Links zu den Zertifikaten. So konnten die Expertinnen und Experten auf der Web- seite von SusiEnergie keinen Link zum TÜV-Nord-Zertifikat finden und keinerlei Informationen zur Ausbauwirkung. Funktionierende Links zu den Zertifikaten fehlten auch bei den Stadtwerken Forst und Knauber Erdgas. Entega verlinkt ebenfalls keine Zertifikate und verwirrt auf der Webseite mit der Darstellung unterschiedlicher Label – etwa dem Grüner Strom Label –, mit dem das Produkt aber gar nicht ausgezeichnet ist. Ein Sonderfall ist Digital Energy Solutions. Der Anbieter gibt an, auch in der sonstigen Direktvermarktung tätig zu sein. Aus unserer Sicht ein positiver Ansatz. Wie genau sich das gestaltet, ist aber aus den zugänglichen Unterlagen nicht nachvollziehbar.

Die Mangelhaften

Einem Großteil der getesteten Ökostromprodukte können wir leider gar nicht viel abgewinnen, sie schneiden „mangelhaft" ab. Die Anbieter dürfen sie zwar als Ökostromprodukte verkaufen, da sie aus einem mittels Herkunftsnachweisen zusammengestellten „grünen“ Strommix bestehen. Manche davon haben auch Wasserkraftwerke in Süddeutschland oder im gesamten Alpenraum im Portfolio. Sie haben aber für uns keine nachvollziehbare Ausbauwirkung auf zusätzliche erneuerbare Energien oder lassen die Kundinnen und Kunden darüber vollends im Unklaren. Sie tragen – zumindest gemäß den Infos auf ihren Webseiten –, auch nicht zur Etablierung von Post-EEG-Modellen bei. Solche Produkte schneiden mit „mangelhaft“ ab.

Das ist insbesondere dann schade, wenn sie von Stromanbietern stammen, die eigentlich richtig viel für die Energiewende tun. Anbieter, die etwa viele durch die EEG-Umlage vergütete Kraftwerke bauen oder in ihrem Portfolio ausschließlich erneuerbare Energien haben. Aus Perspektive der Verbraucherinnen und Verbraucher wären hier eine ehrliche Kommunikation und transparente Stromprodukte dringend notwendig.

Anbieter mit Kohle und Kernkraft

Für viele ist es aus politischen Gründen wichtig, wie die Firma aufgestellt ist, von der sie ein Ökostromprodukt erwerben. Gehört etwa ein Atomkraftwerkbetreiber zum Firmenverbund des Anbieters? Wie sieht es mit Kohlestrom aus? Wir haben solche Verflechtungen – im Gegensatz zu früheren Tests – nicht mehr bewertet. Wir sind bei unserer Beurteilung von den Ökostromprodukten ausgegangen und haben geprüft, ob Produkte und Anbieter einen für uns nachvollziehbaren Beitrag zur Energiewende leisten.

Das können auch Unternehmen, die aus historischen Gründen noch mit der Produktion fossiler oder nuklearer Energie verbunden sind, sich aber gerade wandeln. Dass sich in diesem Test unter den Anbietern der „sehr guten“ Produkten viele politisch engagierte Pioniere der Erneuerbaren Energie, wie die Elektrizitätswerke Schönau, Naturstrom, Greenpeace Energy oder Polarstern finden, zeigt, dass diese Unternehmen nicht nur politisch korrekt sind, sondern auch professionell und transparent.

Die Anderen

So oder so lohnt es sich, die Stromanbieter genauer ins Visier zu nehmen. Unser Test deckt nur etwa sechs Prozent der Ökostromprodukte am Markt ab. Unter den übrigen dürfte es noch viele weitere empfehlenswerte geben. Es spricht zudem wenig dagegen, einen ganz normalen Stromtarif eines Anbieters zu wählen, der viele EEG-Anlagen betreibt, aber auf die Vermarktung von Ökostromprodukten verzichtet. Denn wie unser Test zeigt: Ökostromprodukte bringen nicht automatisch die Energiewende voran. Wir konnten hier nur die Produkte aufnehmen, die in den meisten Gemeinden erhältlich waren. Es gibt noch viel zu testen. Wir bleiben dran.

So haben wir getestet

Wir wollten wissen: Was tragen die Ökostromprodukte am Markt zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei? In früheren Veröffentlichungen und Ökostromtests hatten wir uns bei der Auswahl der Tarife an der Eco-Top-Ten orientiert und an Labels, die für einen geprüften Zusatznutzen stehen. In Zusammenarbeit mit dem Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) hat sich ÖKOTEST eine grundlegende Analyse der Angebote auf dem freiwilligen Ökostrommarkt vorgenommen. Die aktuelle Auswertung der in Deutschland angebotenen Ökostromprodukte listet immerhin 1.284 Ökostromprodukte auf (Datenbasis Get AG). Nur rund 70 sind danach in mehr als 10.000 Gemeinden erhältlich. In unseren Test sind zunächst 69 Produkte eingegangen, die laut Datenbasis in den meisten Gemeinden erhältlich sind. Die Prüfung weiterer Tarife und Produkte behalten wir uns vor. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IZES haben eine Methode für die Prüfung entwickelt. Sie wollten vor allem wissen: Trägt das Produkt zum Ausbau erneuerbarer Energien, über das EEG hinaus, bei? Sind die Angaben transparent belegt? Durch Stromlabel? Ist transparent zugänglich, was das jeweilige Zertifizierungsinstitut geprüft hat? Gibt es andere Belege? Dazu haben sich die Forschenden die Internetseiten der Anbieter angesehen. Die Ergebnisse haben wir in einem Gesamturteil verarbeitet.

Abkürzungen: EEG = Erneuerbare Energien Gesetz; EE = erneuerbare Energien; PPA = Power Purchase Agreement (Stromkauf- bzw. Stromabnahmevereinbarung); Ü20-EEG-Anlagen = Anlagen, die nach 20 Jahren (Ü20) nicht mehr durch das EEG vergütet werden, EEG-Ökostrom = Strom aus EEG-vergüteten EE-Kraftwerken. Vor-EEG-Bestandsanlagen = Anlagen, vor allem norwegische Wasserkraftwerke, aber auch Wasserkraftwerke im Alpenraum, die bereits vor dem EEG in Betrieb waren.
Anmerkungen: 1) Es konnten keine Informationen zur Verwendung des Aufpreises auf der Webseite gefunden werden. 2) Laut Zertifikat hat der Strom eine Ausbauwirkung. Transparent nachverfolgbare Belege konnten auf der Webseite nicht gefunden werden. 3) Das Ökostrommodell konnte anhand der Angaben auf der Webseite nicht nachvollzogen werden. 4) Angebot der NEW-Energie für Fans von Borussia Mönchengladbach. 5) Der Anbieter weist darauf hin, dass er auch ein regionales Stromprodukt aus 100 Prozent regenerativen Energien anbietet: „Dein GGEW Regionalstrom". 6) Der Anbieter greift nicht auf Herkunftsnachweise zurück. 7) Auflistung der gebauten Anlagen unter https://www.ews-schoenau.de/ews/energieerzeugung/ energieerzeugungsanlagen. 8) Der Anbieter hat ein rene-wable-plus-Zertifikat. Aber die Auskünfte auf der Webseite spezifizieren die Ausbauwirkung nicht weiter. 9) Der Anbieter gibt Zertifikate an (ok-power, Wegbereiter der Energiewende).Gravierender Mangel Transparenz: der Anbieter verlinkt keine Zertifikate. 10) Der Anbieter verweist darauf, dass er weitere, mit dem ok-power-Label versehene, Tarife vertreibe. Besonders hervorzuheben sei der Tarif grünstrom classic premium, welcher derzeit nur auf dem Vergleichsportal Check24 zu finden sei. 11) Der Anbieter hat ein first climate Zertifikat mit Gold Standard, was für uns keinen Einfluss auf die Bewertung der Ausbauwirkung hat. 12) Der Anbieter hat mehrere Ökostromprodukte mit sehr unterschiedlichen Zertifikaten im Angebot. Der Anbieter verweist darauf, mit dem Tarif Blauer Himmel Strom einen Tarif im Portfolio zu haben, der höchsten Öko-Standards gemäß dem Grüner-Strom-Label genüge. 13) Der Anbieter hat ein lokales Ökostromprodukt mit einem Aufpreis im Angebot. 14) Es konnten keine Informationen zu Ausbauwirkung oder zur Verwendung des Geldes der Kunden auf der Webseite gefunden werden. 15) Der Anbieter weist darauf hin, dass sein Ökostromtarif NeyStrom Meine Insel derzeit überarbeitet und neu ausgerichtet werde. Die aktive Vermarktung beginne im 1.Quartal 2021. 16) Eine Auflistung der gebauten Anlagen ist zu finden unter: www.planet-energy.de. 17) Der Anbieter bietet auch weitere Ökostromtarife an. Unter anderem ein lokales Ökostromprodukt mit einem Aufpreis von 1 ct/kWh. 18) Der Anbieter hat ein renewable- plus-Zertifikat. Aber die Auskünfte auf der Webseite spezifizieren die Ausbauwirkung nicht weiter, das Zertifikat ließ sich nicht herunterladen. 19) Der Anbieter weist darauf hin, dass mit dem Tarif RÖMERSTROM REGIO ein Stromprodukt mit Regionalnachweisen und regionalem Strom zum Beispiel aus Solaranlagen, mit Bioerdgas betriebenen Blockheizkraftwerken und der Wasserkraftanlage Kylltal angeboten wird. 20) Sehr gravierender Mangel in der Transparenz: Der Anbieter gibt an, in der sonstigen Direktvermarktung tätig zu sein. Das konnte auf der Webseite nicht nachvollzogen werden. 21) Der Förderanteil für das Programm Sonnencent ist wählbar (0,5 oder 1,0 oder 2,0 ct/kWh). 22) Der Anbieter hat seine Tarife seit unserer Datenerhebung vollständig umgestellt. 23) Das Zertifikat vom TÜV Nord besagt, dass der erzeugte Strom zum Ausbau beitrage, dies konnte aber auf der Webseite nicht nachvollzogen werden. Hier werden nur Namen norwegischer Kraftwerke ohne weitere Informationen genannt. 24) Der Anbieter erhebt zwar einen Aufpreis für das Ökostromprodukt, die Ausbauwirkung ist aber intransparent und konnte auf der Webseite nicht nachvollzogen werden. 25) Gravierender Mangel in der Transparenz: Das TÜV-Nord-Zertifikat ist nicht verlinkt. Es konnten keine konkreten Informationen zur geleisteten Ausbauwirkung auf der Webseite gefunden werden. 26) Gravierender Mangel Transparenz: Das renewable-plus-Zertifikat ist nicht verlinkt. Es konnten nur unzureichende Informationen zur geleisteten Ausbauwirkung auf der Webseite gefunden werden. 27) Der Anbieter weist darauf hin, dass neben dem getesteten Ökostromprodukt weiterhin die Tarife Strom Klima Flex, Strom Klima Plus und insbesondere Strom Klima Care angeboten werden. 28) Der Anbieter hat ein renewable-plus-Zertifikat. Aber die Auskünfte auf der Webseite spezifizieren die Ausbauwirkung nicht weiter. 29) Das Ökostromprodukt ist geringfügig teurer, aber Aufpreis und Verwendung werden auf der Webseite nicht klar kommuniziert, der Tarifwust ist abschreckend, das TÜV Rheinland-Zertifikat bleibt vage. 30) Die Ausbauwirkung des Stromprodukts kommt: Der Anbieter bietet PPA für Neuanlagen und Ü20-EEG-Anlagen, hat diese aber noch nicht nachvollziehbar in seinem Portfolio. 31) Die Ausbauwirkung des Stromprodukts kommt: Der Anbieter bietet PPA für Ü20-EEG-Anlagen, hat diese aber noch nicht nachvollziehbar in seinem Portfolio.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Die Bewertung erfolgte anhand der Webseiten der Anbieter/des Ökostromprodukts. Das Gesamturteil „sehr gut" vergeben wir für ein Ökostromprodukt mit einem transparent ausgewiesenen Aufschlag auf entweder den Kilowattstundenpreis oder den monatlichen Grundpreis und einer transparente Darstellung auf der Webseite, wie die Aufschläge für den Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet werden und hiermit der EE-Ausbau nachvollziehbar gefördert wird und/oder der Anbieter vermarktet Anlagen, die in der sonstigen Direktvermarktung sind. Das Gesamturteil „gut“ vergeben wir an ein Ökostromprodukt, dessen Anbieter PPAs für Neuanlagen oder für Ü20-EEG-Anlagen nachweist, diese aber noch nicht in seinem Portfolio hat. Das Gesamturteil „befriedigend" vergeben wir an: a) Ökostromprodukte mit Zertifikaten, die Aufpreise implizieren, aber nicht explizit vorgeben (Initiierung und Betrieb von ok.power- & ok-power+-Label/ renewable plus von Bischoff und Ditze und „Wegbereiter der Energiewende“) und zu denen die Kunden nur bedingt Informationen zur Ausbauwirkung auf der Webseite erhalten; b) Ökostromprodukte mit einem (impliziten) Aufpreis, zu denen Kunden aber nur unübersichtliche und verwirrende Informationen auf der Webseite erhalten. Das Gesamturteil „ausreichend" vergeben wir an a) Produkte, deren Anbieter in der sonstigen Direktvermarktung agieren, zu denen die Kunden auf der Webseite jedoch keinerlei Auskunft erhalten; b) Ökostromprodukte, mit Zertifikaten, die Aufpreise implizieren, aber nicht explizit vorgeben (Initiierung und Betrieb von ok.power- & ok-power+-Label/ renewable plus von Bischoff und Ditze und Wegbereiter der Energiewende), bei denen es aber gravierende Mängel in der Transparenz gibt (hier: Zertifikate nicht aufrufbar, Zertifikate nicht verlinkt). Das Gesamturteil „mangelhaft“ vergeben wir für a) ausgewiesene Ökostromprodukte, die nur auf der Basis von Herkunftsnachweisen zustande kommen, oder für Produkte, deren Anbieter mit bayerischem/alpinen Strom aus heimischen Wasserkraftwerken werben, zu deren zusätzlicher Ausbauwirkung sich aber keine Informationen finden lassen und keine kausale Beziehung nachweisbar ist; b) Produkte, deren Modell sich aus den Informationen auf der Webseite nicht nachvollziehen lässt.
Das Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2101.
Erhebungszeitraum: Datenbasis GetAG: August 2020. Erhebung Produktdaten: September 2020 bis November 2020. Dieser Test löst den Test Ökostrom aus dem ÖKO-TEST Spezial Energie 2018 ab.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

WAS IST EIN ÖKOSTROMPRODUKT?

Der Begriff „Ökostrom“ ist nicht gesetzlich definiert. Um den sogenannten freiwilligen Ökostrommarkt vom EEG-Strom abzugrenzen, wird hier von „Ökostromprodukten“ gesprochen. Nur diese dürfen die Anbieter an Verbraucher und Verbraucherinnen verkaufen. Dabei können sie Ökostromprodukte mit verschiedenen Tarifvarianten anbieten.

EEG-UMLAGE

Die EEG-Umlage zahlen Endkunden an den Stromlieferanten anteilig zum Stromverbrauch. Der reicht diese an die Netzbetreiber weiter, die das Geld wiederum an die Anlagenbetreiber zahlen. Grundsätzlich gilt somit das Prinzip, dass die Stromkunden den – bisher sehr erfolgreichen – Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung bezahlen. Grundsätzlich ist die EEG-Umlage für alle so genannten nicht privilegierten Verbraucher, egal ob Unternehmen oder privater Haushalt, gleich hoch: Im kommenden Jahr soll diese bei 6,5 ct/kWh liegen. Dabei bestehen kontrovers diskutierte Privilegien für Industriekunden oder Großabnehmer. (Ausführlich dazu Text von Eva Hauser ab Seite 130.)


Illustration: Man As Thep/Shutterstock

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