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TEST Pils


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ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 13.10.2022
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Das Urteil über ein Bier kann kaum vernichtender ausfallen: Kontaminationsgeschmack mit buttrigen Noten – das passt nicht zu einem typischen Pilsbier. Zumal in Deutschland, dem Land, in dem jeder Dritte die Pilsener Brauart seine Lieblingssorte nennt. Ein gepflegtes Pilsken, das hat, bitte schön, bitter bis herb zu schmecken. Wir haben 50 Pilsbiere in Laboren analysieren und von geschulten Sensorikern geschmacklich testen lassen. Eines davon fiel aus der Reihe. Aber insgesamt ist das Ergebnis ganz hervorragend: 45 können wir mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlen.

Mit Bierschädlingen verkeimt

Ein von uns beauftragtes Labor untersuchte alle Biere auf Verkeimung durch Schimmelpilze und Bakterien. Wir können weitestgehend Entwarnung geben – mit einer Ausnahme: Im Pinkus Pils, Bioland wies das Labor Pediokokken nach. Die zu den Milchsäurebakterien zählenden Keime lassen das Pils geschmacklich verderben. ...

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... In anderen Lebensmitteln, beispielsweise Sauerkraut oder Joghurt, erfüllen Milchsäurebakterien wichtige Aufgaben, im Pilsbier nach deutscher Brauart führen sie allerdings zu einem unerwünschten buttrigen Fehlgeschmack. Schädlich für den Menschen ist die Kontamination zwar nicht, doch das Bier erleidet dadurch eine erhebliche Qualitätsminderung. Deshalb sind wir streng und werten um vier Noten unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe ab.

Bier ist grundsätzlich nicht sehr anfällig für mikrobiellen Verderb. Durch den Alkohol, die Bitterstoffe, den hohen CO2-Gehalt und den niedrigen pH-Wert bietet es für die meisten Bakterien keine guten Lebensbedingungen. Insbesondere pathogene, also Krankheiten auslösende Keime wie Salmonellen, können in Bier nicht überleben.

Doch bierschädliche Bakterien können auf verschiedenen Wegen ins Produkt gelangen – etwa schon über verunreinigte Rohstoffe, aber auch erst in der Abfüllung. Wird die Kontamination nicht rechtzeitig erkannt, können sich die Keime in der Produktionsstätte ausbreiten. An schwer zu reinigenden Stellen bilden sie Biofilme, die sich später über die Abfüllanlage, aber auch über Tropfwasser oder die Luft, auf die Flaschen übertragen können.

ÖKO TEST

RATGEBER

► Alle Bio-Pilsbiere im Test sind frei vom umstrittenen Herbizid Glyphosat.

► Gut für die Umwelt: Mehrwegflaschen. Noch besser: regionales Bier in Mehrwegflaschen.

► Vorsicht, Bierbauchgefahr! Ein halber Liter Pils enthält rund 180 bis 220 Kilokalorien.

Nicht alle schmecken nach Pils

In Qualitätsparametern wie dem Stammwürzegehalt und der Schaumhaltbarkeit war alles in Ordnung. Auch die mit der Verkostung der Biere beauftragten Sensoriker hatten insgesamt wenig zu beanstanden. Dennoch kritisieren wir an zehn Produkten im Test vor allem leichte Fehlnoten, die in einem Bier nach Pilsner Brauart eher nichts zu suchen haben. Geschmäcker und Vorlieben sind allerdings unterschiedlich, sodass die Tester manches noch als Geschmackssache durchgehen ließen. Als Richtwerte galten die Verbrauchererwartungen an ein Pils, wie sie der Verband Private Brauereien festlegt.

Geschmacklich besonders schlecht schnitt – erwartungsgemäß – das verkeimte Pinkus Pils ab. Für den buttrigen, durch die Pediokokken-Bakterien verursachten Geschmack, der sich sehr weit weg vom Biertyp bewegt, nehmen wir vier Noten Abzug vor, sodass das Bier zusammen mit unserer Bewertung unter den Inhaltsstoffen im Gesamturteil bei „ungenügend“ landet.

Im Geschmacksurteil nur „befriedigend“ schnitten Bosch, Kaiserkrone und Tyskie Gronie ab. Die Sensoriker beanstandeten Mängel wie „brotige Note“, „pilsuntypisch“, „sehr dunkle Farbe“ und „adstringierende Bittere mit untypischen Aromen“. Weitere Fehlnoten bei anderen Marken waren zum Beispiel: „kratzige Bittere“ und eine „leichte Alterungsnote“.

Spuren von Glyphosat

Bedenkliche Inhaltsstoffe haben die beauftragten Labore nur selten gefunden. In zwölf Bieren analysierten die Experten allerdings Spuren des Breitbandherbizids Glyphosat. Die Werte liegen zwar weit unter dem in der EU für Braugerste zulässigen Höchstgehalt. Doch Glyphosat wurde 2015 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, während die europäische Behörde ECHA keinen Krebsverdacht sieht. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes vergeben wir deshalb auch schon bei geringeren Gehalten Notenabzug. Zudem kritisieren ÖKO-TEST und diverse Umweltschutzverbände den Unkrautvernichter, da er für das Bienen- und Insektensterben mitverantwortlich ist.

Hersteller schrieben uns, das Malz stamme ausschließlich aus Braugerste, die auf Feldern wachse, die nicht mit Glyphosat behandelt seien. Es sei jedoch möglich, dass die Rückstände durch Abdrift von anderen, behandelten Feldern hineingelangt seien, so die Erklärung. Erfreulich: Die acht Bio-Biere in unserem Test sind frei von Glyphosat.

*Qualitätsparameter: Geprüft wurden für Pils typische Qualitätsparameter wie Extrakt, Stammwürze, Vergärungsgrad, Schaumstabilität, Bittereinheiten, Farbe und Kohlendioxidgehalt. Die Preisangaben beziehen sich auf den Kauf von Einzelflaschen bzw. -dosen ohne Pfand. Beim Kauf eines Kastens oder Sixpacks liegen die Kosten bezogen auf die Einzelflasche häufig etwas niedriger.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: BW = Baden-Württemberg; BY = Bayern; BB = Brandenburg; HE = Hessen; MV = Mecklenburg-Vorpommern; NI = Niedersachsen; NW = Nordrhein-Westfalen; RP = Rheinland-Pfalz; SL = Saarland; SN = Sachsen; ST = Sachsen-Anhalt; SH = Schleswig-Holstein.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Blei im Schriftzug auf dem Bügelverschluss. 2) Weiterer Mangel: keine Angabe des Brennwerts. 3) Weiterer Mangel: Einwegpfanddose. 4) Weiterer Mangel: PET-Einwegpfandflasche mit weniger als 50 % Rezyklat oder Glas-Einwegpfandflasche. 5) Das Bier weicht nach Einschätzung des beauftragten Labors im sensorischen Gesamteindruck zu sehr von der allgemeinen Verbrauchererwartung an ein deutsches Pils ab. Laut „European Beer Star“ handelt es sich bei Pils um ein unter anderem strohgelb bis goldfarbenes, eher mittel bis schlankes Bier mit einer hohen Hopfenbittere und einer eher geringen Restsüße (Stand: Mai 2022). Laut Anbieter gibt es den typischen Pilsgeschmack nicht. Unternehmensziel sei mehr Geschmack und Charakter als bei Bieren aus Industriebrauereien. „Ecken und Kanten“ eines Handwerksbieres seien ausdrücklich gewollt. Laut Anbieter ist das Bier mittlerweile unter der Verwendung eines neuen Hopfens auf dem Markt, das Etikett bleibe dabei unverändert. 6) Laut Anbietergutachten zu chargengleichem Produkt wurde die Reinheit des Geruchs und Geschmacks mit jeweils 4,8 und die Qualität der Bittere mit 4,4 Punkten nach dem DLG-Schema bewertet, nach dem 5 Punkte der Bestwert sind. Laut Anbieter ist das Bier seit circa Juni 2022 in neuem Design auf dem Markt. Der Inhalt sei gleich. 7) Laut Anbieter wird das Pils in Bügelflaschen nur in einem regional begrenzten Radius mit kürzerem Mindesthaltbarkeitsdatum angeboten. Das Produkt ist auch in Flaschen mit Kronkorken erhältlich. 8) Die PET-Flasche enthält einen Anteil von 25 % Rezyklat, welchen uns der Anbieter mit chargenbezogenen Dokumenten belegen konnte. Laut Anbietergutachten zu chargengleichem Produkt lag die Bepunktung der Sensorik nach DLG-Schema, nach dem 5 Punkte der Bestwert sind, in allen Teildisziplinen über 4 Punkten. 9) Laut Anbieter handelt es sich eigentlich um ein schlankes, eher norddeutsches Pils mit deutlicher Bitternote. Die beschriebene Süße sei eventuell auf eine unsachgemäße Lagerung vor dem Verkauf zurückzuführen. 10) Das Pils ist auch in Glas-Mehrwegflaschen erhältlich.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Beim Testergebnis Sensorik handelt es sich um von den Prüfern beschriebene Merkmale.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Nachweis obligat bierschädlicher Bakterien der Gattung Pediokokken. Ein Befall der anaerob wachsenden Bakterien im Bier führt zu dessen Verderb. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid (hier Glyphosat) in einer Menge von mehr als 0,01 mg/kg unverarbeiteter Braugerste, berechnet unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors für Glyphosat von 0,06 (Quelle: BfR-Datensammlung) und unter der Annahme, dass der im Bier gemessene Gehalt zu 100 Prozent aus der Braugerste stammt. Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 oder als bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder Echa kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind. Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um vier Noten: ein Kontaminationsgeschmack mit buttrigen Noten. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein im Gesamteindruck eher pilsuntypischer Charakter sowie eine leichte Brotnote; b) eine adstringierende Bittere mit untypischen Aromen; c) eine sehr dunkle Farbe und Apfelnoten sowie eine Brotnote. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Spuren von Biskuit und Butter bei einem Pils deutscher Brauart; b) (leichte) brotartige Noten; c) ein etwas unausgewogener oder etwas unharmonischer Geschmack (ggf. mit einer etwas unharmonischen Bittere); d) eine etwas kratzige Bittere; e) leichte Alterungsnoten. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um vier Noten: PET-Einwegpfandflaschen mit weniger als 50 % Rezyklatanteil oder Glas-Einwegpfandflaschen. Zur Abwertung um zwei Noten führen: Einwegpfanddosen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 500 mg/kg Blei im Schriftzug oben auf dem Bügelverschluss; b) keine Angabe des Brennwerts. Die Angabe des Brennwerts und eine vollständige Nährwertdeklaration sind laut

Gesetz bei Bier nicht verpflichtend. Unserer Meinung nach stellt die Kennzeichnung des Brennwerts jedoch eine maßgebliche Information dar und sollte für den Verbraucher am Produkt ersichtlich sein.

Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Sensorik bzw. Weitere Mängel, die „befriedigend“ oder „ausreichend“ sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note. Testergebnisse Sensorik bzw. Weitere Mängel, die „mangelhaft“ oder „ungenügend“ sind, verschlechtert das Gesamturteil um jeweils zwei Noten. Testergebnisse Sensorik bzw. Weitere Mängel, die „gut“ sind, verschlechtert das

Gesamturteil nicht.

Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter . Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 6/2022. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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