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Training für das Immunsystem


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 11/2014 vom 07.11.2014

Rotznasen, Husten, hohes Fieber oder Magen-Darm-Infekte – vor allem Kleinkinder scheinen jedes Virus aus der Kita mitzubringen. Zeitweise liegt sogar die ganze Familie flach. Doch was die Eltern beunruhigt oder stresst, ist biologisch sinnvoll: Bei jedem Infekt lernen die körperlichen Abwehrkräfte dazu.


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Foto: Wendy Riseborough/Shutterstock

Oma Karin ist besorgt. Seit drei Monaten wird ihr heiß geliebter Enkel Max in einer Kita betreut. Seitdem kommt der kleine Kerl aus dem Schniefen nicht mehr heraus. Praktisch nahtlos reiht sich ein Infekt an den anderen. Mal fiebert der Junge, mal hustet er sich in den ...

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... Schlaf. Nase und Bronchien sind ständig verschleimt. Ist das noch normal? Kann das wirklich gut sein für ein 16 Monate altes Kind? Oma Karin, die selbst Neurologin ist und nicht besonders ängstlich oder überbehütend wirkt, hat da so ihre Zweifel. Sie sagt: „Max war doch als Baby nie krank. Nicht mal den kleinsten Schnupfen hat er gehabt, bevor er in die Kita kam. Manchmal denke ich, das ist al-les zu früh für ihn.” Mit solchen Gedanken steht die frischgebackene Großmutter nicht allein. Viele Mütter und Väter sorgen sich um ihre ständig kränkelnden Sprösslinge, die vor allem im Winter chronisch erkältet sind. Eltern vermuten dann oft ein geschwächtes Immunsystem und fürchten beispielsweise, aus einem hartnäckigen Husten könnte sich eine Lungenentzündung entwickeln. Auch Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall oder Erbrechen kommen bei Kleinkindern relativ häufig vor.

Alles ganz normal

Schon wieder krank! Was Eltern manchmal als Endlosschleife empfinden, ist aber eigentlich normal und wichtig.


Kinderärzte finden daran nichts Ungewöhnliches. Acht bis zwölf leichte Infekte im Jahr bis zum Schuleintritt, das ist aus Sicht der Hamburger Pädiaterin Annette Lingenauber ganz normal. Wobei mit „leicht” gemeint ist: Das Kind muss nicht ins Krankenhaus, es trinkt weiter, das Fieber lässt sich gut senken, und der Infekt tritt nicht immer an der gleichen Stelle auf. Und auch, dass bereits einjährige Kita-Kinder betroffen sind, wundert erfahrene Mediziner wie Lingenauber nicht. Wenn Kleinkinder einen Infekt nach dem anderen erleiden, hat das nichts mit einem schlechten Immunsystem zu tun. Im Gegenteil: Die Abwehrkräfte werden trainiert und fit gemacht, damit sich das Kind in Zukunft vor Krankheitserregern besser schützen kann.

Babys kommen erst einmal mit einem Bestand an Abwehrstoffen auf die Welt, die sie schon im Mutterleib über die Plazenta von der Mutter übernommen haben. Sie sind also mit einem natürlichen Schutz gegenüber Krankheitserregern ausgestattet. Das ist auch nötig. Denn kaum geboren, werden die Winzlinge mit unzähligen Keimen und Fremdstoffen konfrontiert, gegen die sich ihr Körper plötzlich verteidigen muss. Der Darmtrakt, der mit seiner Keimbesiedlung für die Immunabwehr eine zentrale Rolle spielt, enthält beim Ungeborenen zunächst noch gar keine Bakterien. Während einer natürlichen Geburt nimmt das Kind dann erstmals Bakterien aus der Vagina und dem Darmbereich der Mutter auf. Die sterile Kaiserschnittgeburt enthält dem Baby diesen Kontakt vor – möglicherweise der Grund dafür, dass Kaiser schnittsäuglinge häufiger Allergien entwickeln.

Nach der Geburt liefert die Muttermilch noch jede Menge mütterliche Abwehrstoffe, die das Kind schützen, bis sich sein Immun-und Verdauungssystem ausreichend entwickelt hat. Die Ärzte sprechen von einer unspezifischen Immunabwehr. Sie stattet den Organismus zwar mit Abwehrkräften aus – allerdings nicht gegen spezielle Erreger. Dieser sogenannte Nestschutz baut sich Monat für Monat weiter ab, sodass das Kind gegen Ende des ersten Lebensjahrs einen relativ niedrigen Spiegel an sogenannten Immunglobulinen hat. Doch dann macht der Nachwuchs eine Reihe von Infekten durch. Husten, Schnupfen, Angina, Herpes: die ganze Palette rauf und runter. Und jedes Mal, wenn sein Immunsystem mit unbekannten Viren oder Bakterien konfrontiert wird, muss es sich damit auseinandersetzen und gegen die Eindringlinge wehren. Das ist auch der Grund, weshalb gerade kleine Kinder häufig krank sind. Erst mit der Zeit wird ihr Immunsystem immer besser und schlagkräftiger – die soge- nannte spezifische Immunantwort kann dann Erreger effektiv und schnell bekämpfen. Allerdings reagieren Menschen auf Krankheitserreger unterschiedlich. Das eine Kind wehrt die Viren schon im Vorfeld ab und hat kaum Symptome. Das andere erkrankt jedes Mal mit Schnupfen, Husten und hohem Fieber. Warum das so ist, weiß man nicht ganz genau. Aber beide Kinder haben am Ende Antikörper gebildet, sodass sie diese Krankheit nicht wieder bekommen.

Das Immunsystem: Ein Team von Abwehrprofis formiert sich

Die handtellergroße Thymusdrüse ist bis zur Pubertät besonders aktiv: Sie bildet Abwehrzellen zu Spezialeinheiten aus.


Foto: Nerthuz/iStock/Thinkstock

Das Immunsystem ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Spezialisten, die sich über den gesamten Körper verteilen. Die Abwehrzentralen befinden sich in verschiedenen Organen. Zum Beispiel werden im Knochenmark die weißen Blutkörperchen produziert, die so etwas wie die Polizeitruppen in unserem Organismus sind. Im Verband mit über 50 verschiedenen Signal-und Botenstoffen erkennen und bekämpfen sie krank machende Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Auch die Milz schüttet im Ernstfall Immunzellen aus. Das Organ befindet sich im linken oberen Bauchraum und dient vor allem der Vermehrung von Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Die Mandeln, vonden Medizinern auch Tonsillen genannt, sitzen rechts und links im hinteren Teil der Mundhöhle und bewachen den Eingang zur Luft-und Speiseröhre. Dringen Krankheitserreger massiv über Mund und Nase ein, fangen die Mandeln sie ab und bilden ebenfalls Lymphozyten, die Erreger erkennen und diese mithilfe von Antikörpern bekämpfen können.

Zum Immunsystem gehört auch die handtellergroße Thymusdrüse, die hinter dem Brustbein über dem Herzen liegt. Bis zur Pubertät ist sie hochaktiv und bildet Abwehrzellen zu Spezialeinheiten aus. Diese bleiben uns ein Leben lang erhalten. Anschließend schrumpft das wichtige Organ. Im Körper eines Erwachsenen ist es kaum noch zu finden.

Geschwollene Lymphknoten

Schließlich spielt auch das Lymphsystem bei der Abwehr von Krankheitskeimen eine wichtige Rolle. Mit seinem dichten Knotennetz bildet es – wie die Blutgefäße – ein eigenständiges System zum Transport von Flüssigkeiten. Die Lymphe durchdringt dabei auch Gewebe und sammelt aus sämtlichen Organen Abfallprodukte des Stoffwechsels. An strategisch wichtigen Punkten muss die Lymph flüssigkeit Knoten passieren. Hier wird sie gefiltert und auf gefährliche Überbleibsel kontrolliert. Stimmt etwas mit dem Ergebnis nicht, werden die in den Lymphknoten wartenden Lymphozyten mobilisiert und in den Kampf geschickt. Die Kranken können dann spüren, dass – beispielsweise bei einer Erkältung oder Angina – die Lymphknoten im oberen Halsbereich kugelförmig anschwellen und auf Druck empfindlich reagieren.

Das Lymphsystem erzeugt täglich viele Millionen Lymphozyten. Dringen Krank heitserreger ein, kann es die Produktion binnen weniger Stunden auf mehr als das Zehnfache steigern. Weil die Eintrittspforten unseres Körpers – also die Schleimhäute von Mund und Nase, Atemwegen, Darm und Haut – besonders gefährdet sind, patrouillieren dort besonders viele Immunzellen. Überwinden Erreger diese erste Hürde, beginnt der Verteidigungskampf. Sogenannte Makrophagen oder Fresszellen, auch eine bestimmte Sorte weißer Blutkörperchen halten sich praktisch überall im Körper auf und greifen die Eindringlinge an. Andere weiße Blutkörperchen, sogenannte Killerzellen, zerstören mit Viren infizierte Zellen. Während sich die Makrophagen die Krankheitserreger quasi auffressen, geben sie gleichzeitig wichtige Informationen über die gefährlichen Eindringlinge – quasi einen Steckbrief – an die nachfolgende, spezialisierte Abwehreinheit weiter.

Bis zur Einschulung ist das Schlimmste überstanden. Das kindliche Immunsystem ist dann so trainiert, dass es Infekte schneller und besser abwehren kann.


Foto: Oksana Kuzmina/Shutterstock

Raus an die frische Luft! Denn das stärkt das Immunsystem, egal bei welchem Wetter.


Foto: Fuse/Thinkstock

So lernt das kindliche Immunsystem mit jedem Infekt, die Krankheitskeime nicht nur zu vernichten, sondern sie beim nächsten Angriff auch wiederzuerkennen. Es kann dann die benötigten spezifischen Antikörper blitzschnell produzieren und gegen die unerwünschten Gäste in Stellung bringen. Dafür verantwortlich sind die Spezialisten – die Bund T-Lymphozyten. Sie erkennen die Struktur der Eindringlinge und produzieren maßgeschneiderte Antikörper.

Diese Eiweißsubstanzen, Wissenschaftler nennen sie Immunglobuline, passen wie ein Schlüssel ins Schloss. Sie heften sich direkt an den Erreger und blockieren ihn in seiner Aktivität. Ist der Feind übermächtig, können die Lymphozyten Botenstoffe aussenden und damit weitere Immuntruppen anfordern. Die Fresszellen erkennen blockierte Erreger und vollenden das Werk, indem sie die quasi gefesselten Eindringlinge überwältigen und endgültig vernichten. Einige der Lymphozyten entwickeln sich später zu Gedächtniszellen, die das Aussehen des Erregers speichern. Sollte er wieder auftauchen, sind sie zur Stelle und produzieren massenweise Antikörper. Das Kind ist nun gegen diesen Erreger immun geworden.

Die Parole heißt: Durchhalten!

Bis das kindliche Immunsystem so ausgereift ist, dass die Infekte deutlich abnehmen, vergehen einige Jahre. Etwa zum Zeitpunkt der Einschulung haben die Kinder meistens das Schlimmste überstanden.

So lange heißt die Parole für die Eltern: Durchhalten, Nase putzen, Wickel machen, Tee kochen und die Kleinen liebevoll pflegen! Auch, wenn Mama und Papa manchmal selbst zum Opfer der Krankheitserreger werden – dann ist die Hilfe der Großeltern gefragt. Auch Oma Karin ist bereit, im Notfall einzuspringen und ihren Enkel zu betreuen. Dabei kann sich die 63-Jährige eigentlich über fehlende Beschäftigung nicht beklagen. Auch deshalb hofft sie, dass es bald vorbei mit den Infekten ist. Wahrscheinlich muss sie sich noch ein paar Jahre gedulden.

Interview

Harmloser Infekt oder echter Immundefekt?

Annette Lingenauber ist Kinderärztin und Sprecherin des Berufsverbands der Kinder-und Jugendärzte in Hamburg.


Foto: Asmus Henkel

ÖKO-TEST: Kleinkinder sind besonders für Infekte anfällig. Gibt es Anhaltspunkte, ab wann sich Eltern ernsthaft Sorgen machen müssen?
Annette Lingenauber: Als normal gelten acht bis zwölf leichte Infekte pro Jahr bis zum Schuleintritt. Kinder haben vielleicht auch mal eine einzelne Lungenentzündung. Wenn das aber mehrfach hintereinander und immer im gleichen Lungengebiet passiert, wird man auf jeden Fall ins Grübeln kommen und abklären, welche Ursache dahintersteckt. Infekte der Harnwege treten schon seltener auf. In dem Fall würde man beim Mädchen etwa ab der zweiten und beim Jungen vielleicht schon bei der ersten Blasenentzündung untersuchen, ob eine Fehlbildung in den Harnwegen vorliegt. Aber was die Eltern besonders umtreibt, ist ja die Kette von Atemwegsinfekten, beispielsweise in den Wintermonaten. Wenn das bei einem Kind tatsächlich extrem häufig passiert, dann würde man suchen: Gibt es irgendeine Situation, die das begünstigt?

Hat dieses Kind sehr große Mandeln oder Adenoide, also Polypen, wo sich immer wieder Bakterien festsetzen können und die Nasenatmung behindert ist? Oder liegt dem Ganzen eine Allergie zugrunde?
Haben die Eltern vielleicht eine Allergiedisposition? Eine Hausstauballergie kann sich durchaus schon im Kleinkindalter entwickeln, was Infekte begünstigt und dazu führt, dass Schleimhäute ständig ein bisschen entzündet sind. Ein ganz wichtiger Faktor ist auch die Nikotinbelastung. Wenn die Eltern rauchen, ist das ein eindeutiges Risiko für häufige und länger andauernde Luftwegsinfekte. Das ist ein entscheidender Punkt, weil die Eltern hier richtig etwas beeinflussen können.

Es gibt aber auch regelrechte Immundefekte. Wie äußern die sich?
Kinder, die einen schweren Immundefekt haben, leiden meistens nicht nur unter auffallend vielen Infekten. Sie gedeihen auch schlecht, nehmen nicht zu, haben vielleicht ein hartnäckiges Hautekzem. Das wären mögliche Warnzeichen. Die häufigsten Immundefekte sind angeborene Störungen, zum Beispiel bei der Bildung von Abwehrstoffen, sogenannter Immunglobuline. Erworbene Immundefekte sind sehr selten. Sie entstehen beispielsweise durch eine Chemotherapie oder eine HIV-Infektion.

Wie behandelt man solche echten Immundefekte?
Wenn sich der Verdacht bestätigt, wird das Kind in der Regel in eine Spezialambulanz überwiesen. Es geht dann vor allem um die Frage: Wie schützt man das Kind vor Erkrankungen? Muss man die Immunglobuline ersetzen? Kann man alle Impfungen machen? Totimpfstoffe sind nie ein Problem, Lebendimpfstoffe vielleicht schon. Aber da wird es schon sehr speziell. Das erlebt man im Alltag einer normalen Kinderarztpraxis nicht.

Mein Kind ist krank – Rechte berufstätiger Eltern

Was tun, wenn der Nachwuchs mit Fieber oder Durchfall im Bett liegt, Mutter und Vater berufstätig sind und die Großeltern die Betreuung nicht übernehmen können? Wie viele Tage darf ich mir freinehmen, wie lange wird mein Gehalt weitergezahlt? Für Arbeitnehmer und Beamte sind diese Fragen einigermaßen klar geregelt. Privatversicherte haben das Nachsehen.

Foto: Digital Vision/Photodisc/Thinkstock

■ Für Beschäftigte aller Art gilt laut Sozialgesetzbuch: Jeder Elternteil darf für die Betreuung seines kranken Kindes zehn Tage im Jahr zu Hause bleiben. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Tage. Bei drei oder mehr Kindern in der Familie liegt die Obergrenze bei jährlich 25 Tagen pro Elternteil. Grundsätzlich können Eheleute diesen Anspruch nicht so einfach auf den Partner übertragen. Das ist nur dann möglich, wenn sich ein Elternteil aus dringenden beruflichen Gründen nicht freinehmen kann und der Arbeitgeber zustimmt.
■ Normalerweise zahlt der Arbeitgeber das Geld für die Krankenbetreuungstage in der Regel nur für fünf Tage im Jahr. Dazu gibt es in Deutschland aber keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen. Es kann deshalb auch sein, dass im Arbeitsvertrag eine Lohnfortzahlung für kindbedingte Fehltage ausdrücklich ausgeschlossen ist oder im Einzelfall sogar mehr Fehltage vorgesehen sind. Arbeitnehmer sollten im Zweifel ihren Arbeitsvertrag daraufhin überprüfen. Die Freistellung an sich kann übrigens nicht ausgeschlossen werden.
■ Wenn der Arbeitgeber das reguläre Gehalt während der Betreuungstage nicht weiterzahlt, springt die Krankenkasse ein, bei der das Kind mitversichert ist. Kassenpatienten bekommen aber nur 70 Prozent ihres Bruttogehalts, wobei die Summe 90 Prozent des Nettoeinkommens nicht übersteigen darf. Es gilt die Zehn-Tage-Regel. Die Bewilligung eines solchen Kinderpflegekrankengelds ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft: Das Kind muss jünger als zwölf Jahre alt sein, eine gültige Krankschreibung besitzen, und im Haushalt darf keine weitere Person leben, die sich um die Betreuung kümmern kann. Vor allem muss der kleine Patient ebenfalls gesetzlich versichert sein.
■ Privatversicherte haben keinen Anspruch auf ein solches Kinderpflegekrankengeld. Das Risiko von Fehlzeiten durch kranke Kinder lässt sich bei den meisten Anbietern nicht mitversichern – ein Nachteil gegenüber gesetzlich Versicherten, der nicht nur Selbstständige, sondern auch Beamte betriff t, die ja meistens privat versichert sind. Darüber hinaus stehen Bundesbeamten auch nur vier Tage Extraurlaub mit vollem Lohnausgleich für die Pflege eines kranken Kindes zu. Für Staatsbedienstete in den Ländern gibt es je nach Region unterschiedliche Regelungen. Allerdings haben alle Beamten grundsätzlich Anspruch auf unbezahlten Sonderurlaub.


Foto: phloxii/Shutterstock