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Winterliche Pflanzenkraft in Wald und Garten


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Deine Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 18.11.2022

Eine Hausapotheke aus dem, was Mutter Natur uns schenkt? Heilpraktikerin Christine Goerlich zeigt im letzten Teil unserer Serie, dass es Pflanzen gibt, die sogar im Winter voller Nährstoffe stecken. Also warm angezogen und raus in den Garten und den Wald! Ob als Tee, Sud, Suppe, Honig, oder Räucherwerk – lassen Sie sich überraschen, wie man Vogelmiere und Nadeln weiter verarbeiten kann und gegen welche Krankheiten sie eingesetzt werden. Auf dass Sie unbeschadet und voller Elan durch die Erkältungszeit kommen!

Unsere Serie: Die Wald- und Wiesen-Apotheke – Kräuter sammeln und zu Salben und Tinkturen verarbeiten

Artikelbild für den Artikel "Winterliche Pflanzenkraft in Wald und Garten" aus der Ausgabe 6/2022 von Deine Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deine Gesundheit, Ausgabe 6/2022

Vorbei sind sonnengoldene Herbsttage, das letzte bunte Laub weicht dem Grau der beginnenden dunklen Jahreszeit. Nach dem Herbstgeflüster zieht sich die Natur zurück. Die Erntegöttin ist zur greisen Frau geworden, die Spinnfäden im Altweibersommer entsprechen ihrem grauen Haar, sie zieht sich ...

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... zurück unter die Erde als Hüterin der Samen. Von Samhain am 31.10. bis zur Rückkehr des Lichts zum Yulfest (Wintersonnenwende am 21.12.) ruht die Natur und es wird nichts von ihr genommen oder geerntet. Die wenigen Dinge, die draußen noch grünen oder nähren, gehören den Tieren, die den kalten Winter überstehen müssen. Einzig die Mistel, die sich als Schmarotzer in der Baumkrone dem sonnenbestimmten Jahreszyklus entzieht, wird in dieser Zeit geerntet und an die Türschwelle gehängt als Zeichen des immerwährenden, ewigen Lebens.

Die Vogelmiere – gesundes Wintergrün

Mit den merklich länger werdenden Tagen ab Ende Januar gehen die Kräuterkundigen wieder hinaus in Wald und Garten und nutzen die Kraft der immergrünen Kräuter und Bäume. Die Vogelmiere (Stellaria media) ist zwar im Grunde genommen eine einjährige Pflanze, ihre Samen reifen aber fast das ganze Jahr, da sie schon bei wenigen Graden über Null keimen. Sie werden gerne von Ameisen verschleppt, so dass sie sich rasenförmig ausbreitet, wo auch immer sie wächst. Und das ist fast überall. Ihre weißen Blüten finden wir von Februar bis Mitte November, also fast ganzjährig. Sie ist, wie der Name schon verrät, eine beliebte Pflanze bei Vögeln und Hühnern, und als Heilpflanze spätestens seit dem Mittelalter bekannt. Sie wird seit jeher in Form eines Breies, eines ausgekochten Suds oder als Fettsalbe aufbereitet, gegen Hautleiden eingesetzt. Sie hilft aber auch gegen Bronchitis, Lungenerkrankungen sowie Magen- und Darmentzündungen. Dies erklärt sich durch ihre entzündungshemmenden Inhaltsstoffe, die auch Verdauung und Stoffwechsel anregen, und ebenso harntreibend (und damit blutdrucksenkend) wie blutreinigend wirken. Dies tun übrigens all die frühen Heilkräuter im Jahr: Die Brennnessel wirkt ebenso blutreinigend, dicht gefolgt vom Löwenzahn als erstem Frühblüher, der die Leber in ihrer Entgiftungsleistung unterstützt. Und auch das Scharbockskraut mit seinem hohen Anteil an Vitamin C wurde als erste grüne Frühjahrspflanze geschätzt.

Schmackhaft und gesund in zugleich

? In Salat oder der Gemüsepfanne

Kalium und Kieselsäure, weshalb sie ausgesprochen hilfreich gegen Frühjahrsmüdigkeit wirkt.

Die Vogelmiere kann getrocknet oder frisch verwendet werden. So war sie ein beliebtes Kraut, das nach der entbehrungsreichen Winterzeit als Vitamin- und Mineralstofflieferant frisch auf den Tisch kam. Sie enthält nennenswerte Mengen an Vitamin C, Kalium und Kieselsäure, weshalb sie ausgesprochen hilfreich gegen Frühjahrsmüdigkeit wirkt. Ihr Geschmack ist mild-nussig, was sie zu einer delikaten Zutat für Salate, Suppen oder Kräuter-Dips macht. Frauen dürfen die Heilkraft der Vogelmiere schätzen, da sie menstruationsfördernd und milchbildend wirkt. Hautbeschwerden kann man mit einem Teesud lindern (ein mit dem Sud getränktes Küchentuch als Auflage hat sich bewährt), oder das frische Kraut zu einem Brei zerstampfen und direkt auf die irritierte Hautpartie aufbringen. Beides kann auch dem Badewasser zugegeben werden, wenn es darum geht großflächigere Hautleiden zu behandeln. Salben oder Auflagen mit Vogelmiere werden in der Volksheilkunde auch gegen Hämorrhoiden empfohlen. Vielleicht versuchen Sie die Vogelmiere auch mal mit den ebenfalls fast immer präsenten Brennnesseln und dem Giersch zusammen in einem Kräuterpesto? Es belebt und beruhigt auch rheumatische Gelenk- erkrankungen. Gegen letzteres haben sich auch Teeaufgüsse bewährt.

Unscheinbare Nadelbäume mit großem Potenzial

Wer auf winterlichem Spaziergang durch die Wälder streift, © chamillew/Adobe Stock wird als Grün hauptsächlich das der Nadelbäume wahrnehmen. Die Fichte (Picea abies) ist wie auch Kiefer und sibirische Tanne als Heilpflanze anerkannt und liefert uns jede Menge ätherische Öle, sekundäre Pflanzenstoffe und Harze, die unserem Immunsystem durch die dunkle Jahreszeit helfen. Lange Zeit galt Fichtennadeltee als Geheimtipp gegen Viruserkrankungen, doch in den letzten Jahren wird das alte Wissen wieder populär. Wer nicht selbst in den Wald gehen will, kann Fichtennadeln auch vielerorts kaufen. Der Tee schmeckt herrlich aromatisch, wärmt von Innen und macht uns widerstandsfähig wie ein Nadelbaum im tiefsten Winter. Auch wird ein positiver Einfluss auf rheumatische Beschwerden, bei Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen und in der Rekonvaleszenz beschrieben. Dampfbäder mit Fichtennadeln und etwas Salz lindern Erkältungsbeschwerden wie Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis deutlich.

Ideen für die Nutzung von Vogelmiere in der Küche

? Eine Quiche mit Vogelmiere statt Spinat

? Kräuter-Omelett mit Vogelmiere

? Pesto mit Brennnessel, Giersch, Vogelmiere und Walnüssen in Olivenöl

? Im Gemüseeintopf zusammen mit Wurzelgemüse

? Ofenkartoffel mit (veganem) Quark/Schmand mit Schnittlauch, Vogelmiere und geriebener Salatgurke

? Vogelmiere-Kräuterbutter

Rezept: „Pechsalbe“

Aus dem Fichtenharz kann eine „Pechsalbe“ hergestellt werden, eine traditionelle Anwendung, die bei Muskelschmerzen, rheumatischen Schmerzen, Gicht und Hautleiden sowie Wunden hilft. Das Wort „Pech“ geht dabei zurück auf das lateinische Wort „piceus“, was „pech- oder harzhaltig“ bedeutet. Zu ihrer Herstellung gibt man das Fichtenharz in Olivenöl, besser noch Johanniskrautöl (Verhältnis ungefähr 30 g Harz auf 80 ml Öl) und erwärmt es im Wasserbad, bis sich das Harz auflöst. Ist das Harz zuvor nicht gereinigt, sollte es nun in ein weiteres sauberes Gefäß (z. B. Marmeladenglas) abgesiebt und nochmal ins Wasserbad gegeben werden. Bienenwachs (10 g bezogen auf die angegebene Menge Öl und Harz) als Konsistenzgeber hinzugeben und auflösen. Das Gefäß aus dem Wasserbad nehmen, und gegebenenfalls noch ätherische Öle wie Minze, Lavendel, Rosmarin, Salbei, Thymian und/oder Wacholder zugeben und in saubere Salbentiegel füllen und beschriften. Sollte Fichte in der Umgebung nicht verfügbar sein, können auch die Harze anderer heimischer Nadelbäume verwendet werden. Einzig die Eibe wird dabei gemieden, da zu viele Pflanzenteile giftig sind. Selbstverständlich achten wir darauf, dass wir dem Baum beim Absammeln des Harzes keine Wunden zufügen.

Räuchern für die Seele und die Gesundheit

Die Nadelbäume schenken uns ihre ätherischen Öle nicht nur über die Nadeln, sondern vor allem auch über ihr Harz. Dies kann zum Teil direkt von der Baumrinde abgesammelt und zum Räuchern genutzt werden. Traditionell wurden während der Rauhnächte (zwischen Weihnachten und dem Feiertag der Heiligen drei Könige) Nadelbaumharze in Haus und Stall zur rituellen Reinigung verräuchert, um Krankheiten vorzubeugen, denn es wirkt tatsächlich desinfizierend auf die Raumluft. Aus der Aromatherapie wissen wir aber auch heute noch um die innere Ruhe und Ausgeglichenheit, die der Duft der Harze mit sich bringt. Nadelbaumharz wird auch „heimischer Waldweihrauch“ genannt und kann jederzeit als Ersatz für den orientalischen Weihrauch dienen. Gut zu wissen: Wer selbst gesammeltes Harz verwenden mag, sollte es zuvor reinigen, da es oft noch Pflanzenteile oder auch Insekten enthalten kann. Hierfür füllt man das Harz in eine alte Socke oder ein Baumwollsäckchen und gibt noch einen Stein hinein, denn es wird in eine mit Wasser gefüllte Dose oder Schüssel gelegt und sollte unten auf dem Boden verbleiben. Das Ganze anschließend im Wasserbad erhitzen. Mit der Zeit verflüssigt sich das Harz, steigt auf und kann an der Wasseroberfläche abgeschöpft und in eine weitere Schüssel, diesmal mit kaltem Wasser, gegeben werden. Hier wird es sofort wieder fest, für kurze Zeit ist es noch leicht zum Beispiel zu Kügelchen formbar.

Tipp: Harz wird mit den Jahren immer besser in seinem Aroma, es lohnt also das Harz abzulagern.

Christine Goerlich ist nach einer handwerklichen und kaufmännischen Ausbildung sowie einem Magister in Medien- und Kulturwissenschaft seit 2015 Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten chronische Erkrankungen und ganzheitliche Kinderheilkunde. Sie ist außerdem Bach-Blüten-Profi und Blutegel-Verehrerin mit einer großen Liebe zu traditionellen Heilmethoden, einfachen Mitteln aus der Natur und gesunder Ernährung. Sie führt in Potsdam eine eigene Praxis. In ihrer Freizeit baut sie Heilkräuter an und verarbeitet diese. Mehr Infos unter: Naturheilpraxis Wegweise, Gutenbergstr. 89, 14467 Potsdam, , mail@naturheilpraxis-wegweise.de, Tel. 0171/6761771

Rezept für Fichtennadelhonig:

Für ein Glas Honig braucht es eine gute Hand voll Triebspitzen. Daheim zerpflücke ich die Triebspitzen, setze ein Glas flüssigen Honig in ein Wasserbad und erwärme es leicht. Bitte nicht stark erhitzen – das zerstört die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs. Die Erwärmung dient lediglich dazu, die Triebspitzen besser unterrühren zu können. Anschließend lasse ich das Glas mindestens drei Wochen, besser etwas länger, stehen. Man kann den Honig dann noch einmal erwärmen und die Triebspitzen durch ein Sieb abseihen, das ist aber kein Muss. Der Honig ist ein wohlschmeckender Erkältungssirup, eine Alternative zum Ahornsirup auf Speisen oder eine gesunde Bereicherung meines Wintertees. Ob Vogelmiere oder Fichte - kommen Sie gesund in den Frühling!

Rezept: Tomate-Vogelmiere-Butter

1 Päckchen zimmerwarme Butter (auch mit veganer Variante möglich) in eine Schüssel geben, 1/3 Tube Tomatenmark dazu geben, ebenso etwas Salz und fein geschnittenen Schnittlauch und Vogelmiere, Menge nach Wunsch (Richtwert: jeweils 1 bis 2 Hand voll). Nach Wunsch eine fein geschnittene oder gepresste Knoblauchzehe dazugeben. Alles mit einer Gabel gut vermengen, abschmecken und auf Brot oder zu Gemüsegerichten genießen.

Fichtennadelhonig als Erkältungsmittel – nicht nur für Kinder

Wer noch ein bisschen Geduld hat und warten kann, bis der Frühling den Winter vertreibt, der kann Fichtenspitzen sammeln - die hellgrünen Triebspitzen der Fichte. Beim Sammeln ist es wichtig zu wissen, dass dort, wo eine Fichtenspitze abgepflückt wird, der Baum in diesem Jahr nicht weiterwächst. Also bitte immer nur wenige Spitzen pro Baum pflücken. Auch ist es möglich, dass es örtlich gesetzliche Beschränkungen zum Sammeln von Triebspitzen gibt. Es versteht sich von selbst, dass wir immer nur so viel aus der Natur nehmen, wie wir auch brauchen, und dass wir nicht in Naturschutzgebieten pflücken!