Zeitschrift FONO FORUM - epaper

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Klassik, Jazz und Hifi

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Lesen Sie das Editorial von FONO FORUM - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift FONO FORUM - epaper die aktuelle Ausgabe 4/2017 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auch wenn es schon eine Weile her ist, lässt mich das Thema nicht los. Zumal ich gerade wieder solch ein merkwürdiges Erlebnis hatte. Nachrufe sind für mich immer eine willkommene Gelegenheit, einiger Menschen zu gedenken, die mich erfreut und bewegt, vielleicht sogar beeinflusst haben und mir wichtig waren – wenn ich sie auch meist nicht persönlich kennengelernt habe. Und so las ich denn auch um den letzten Jahreswechsel herum wieder einige der beliebten Rückblicke auf die bedeutenden Verstorbenen. Was ich da sah, verwunderte und erstaunte mich. Und machte mich irgendwann regelrecht wütend.

„Die Welt“, das Flaggschiff des Springer-Verlags, erinnert an 40 „beeindruckende Persönlichkeiten“, die 2016 „gegangen sind“. Dazu gehören der XXL-Osfriese Tamme Hanken und die ZDF-Sportmoderatorin Jana fiel, die RTL-Erotikberaterin Erika Berger, Keith Emerson (aber nicht Gregg Lake), Achim Mentzel und René Angélil, der Mann und Manager von Celine Dion, von dem ich ehrlich gesagt noch nie etwas gehört hatte. Natürlich auch David Bowie, Prince und Leonard Cohen. Aber nicht Pierre Boulez! Nicht Nicolaus Harnoncourt!

Die „Gala“ setzt die Schwerpunkte naturgemäß anders: Unter den 68 Namen finden sich die Chefredakteurin der italienischen Vogue, der „Unser lautes Heim“-Star Alan Ficke, Manfred Durban von den Flippers, „Münchens Starfriseur“ Wolfgang Lippert und natürlich Celine Dions Ehemann und Manager. Aber kein Boulez, kein Harnoncourt.

Bei der „Rheinischen Post“ tauchen dann (neben Celine Dions Mann und Manager) immerhin Hilmar Thate und Ernst Nolte, der einstige Trio-Schlagzeuger Peter Behrens und der 50er-Jahre-Popstar Bobby Vee auf. Aber wieder kein Boulez, kein Harnoncourt. Das Fass zum Überlaufen brachte dann kürzlich der Todesfall Nicolai Gedda. Auf einen Nachruf oder nur eine Notiz in meiner „Berliner Zeitung“ wartete ich nämlich vergeblich. Das Feuilleton erinnerte an die „Gartenfee des Ostens“, Erika Krause, die im DDR-Fernsehen „Du und Dein Garten“ moderiert hatte, und an den japanischen Manga-Zeichner Jiro Taniguchi, „dessen Schlüsselwerk ‚Vertraute Fremde‘ 2007 als Bester Comic beim Comic-Salon Erlangen prämiert“ wurde. Aber kein Wort über den Jahrhundert- Tenor Gedda.

Was ist das? Gedankenlosigkeit? Ein Spiegel der Tatsache, dass Klassik im Leben der meisten Menschen keine Rolle mehr spielt? Geschenkt. Wir wissen, dass Hobbygärtner und Fernsehköche mehr Breitenwirkung entfalten als Beet hoven, Mozart oder Mahler. Aber wir sind uns auch einig, dass Beethoven, Mozart oder Mahler Menschen dann doch tiefer und nachhaltiger berühren können. Dass Boulez und Harnoncourt eher zum kulturellen Gedächtnis gehören als ein „Münchner Starfriseur“, so gut der in seinem Fach auch gewesen sein mag.

Seit der humanistische Kanon abgeschafft ist, hat die klassische Musik ihren gesicherten Platz im Kulturolymp verloren. Umso wichtiger ist es, darum zu kämpfen, dass sie nicht wirklich in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit fällt. Intelligente Musik, egal ob Klassik, Jazz oder Pop, ist zu wichtig, als dass sie nur noch von einer kleinen „Gemeinde“ von Kennern und Fans gepflegt werden sollte.

Aber wenn selbst Feuilleton-Redakteure sie nicht mehr wichtig nehmen, dann läuft etwas ganz gewaltig schief. Vielleicht bin ich ein unverbesserlicher Idealist, aber Resignation in das vermeintlich unvermeidliche Nischendasein halte ich für das Verkehrteste überhaupt. Wir beim FONO FORUM wollen doch nicht eines Tages die letzten sein, die die journalistische Fahne für Klassik und Jazz hochhalten!

In diesem Sinne

Ihr Arnt Cobbers

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Neugierde. Aber zuviel Werbung, zu wenig Text. Werde ich wohl nicht nochmal bestellen.
09.03.2017

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