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Lesen Sie das Editorial von mundus - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift mundus - epaper die aktuelle Ausgabe 4/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserinnen und Leser,
in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ereignete sich in der bildenden Kunst eine tiefgreifende Veränderung: Künstler entfernten sich von der naturalistischen Wiedergabe der Dinge und damit von einer wiedererkennbaren Darstellung ihrer Motive. Sie begannen, entweder vom Gegenstand ausgehend diesen zu abstrahieren, oder sie malten von vornherein völlig losgelöst von der Natur. Warum diese Entwicklung unter anderem durch die industrielle Revolution, die Elektrifizierung und die Zunahme der Mobilität durch Automobil, Flugzeug und Schienenverkehr begann, erläutert die Kunsthistorikerin Eva Ludwig- Glück in ihrem Beitrag Über die Form hinaus auf Seite 12. Und wussten Sie, dass Claude Monet Gegenstände genau so gemalt hat, wie das menschliche Auge sie sieht, und nicht, wie sie objektiv erscheinen? Warum das so ist, erklärt der Kölner Kunstpsychologie Dr. Martin Schuster auf Seite 16.

Eine besonders reizvolle Herausforderung für das Auge sind oftmals jene künstlerischen Arbeiten, die den Gegenstand in eine Unschärfe hinein auflösen, ihn also gerade noch und gleichzeitig nicht mehr eindeutig als solchen erkennbar bleiben lassen. Dies führt zu einer optischen Irritation, die unsere Aufmerksamkeit zwischen dem Bedürfnis, das vermutete Motiv quasi dingfest machen zu wollen, und der Vergeblichkeit dieses Bemühens hin- und herschwanken lässt.

Unschärfe ist jedoch nicht nur ein optisches, sondern auch ein politisches Phänomen. Gewissheiten von Zeit zu Zeit zu erschüttern und kritisch zu hinterfragen, hält eine Gesellschaft einerseits lebendig und fördert ihre Entwicklung, ist andererseits aber auch nicht ganz ohne Gefahr. Derzeit erinnern zahlreiche Museumsausstellungen an das Entstehen der Studentenbewegung vor fünfzig Jahren. Einer ihrer geistigen Väter war der französische Philosoph und Hauptvertreter der Dekonstruktion Jacques Derrida. Er wies darauf hin, dass Sprache Wirklichkeit schafft und dass begriffliche Gegensätze wie gut und böse Werte und Herrschaftsstrukturen transportieren. Dies griffen die 68er auf, um die Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft infrage zu stellen und ihren Zusammenbruch durch begriffliche Entkernung herbeizuführen. „Legal, illegal, scheißegal“ prangte 1968 an einer Wand der Universität des Saarlandes.

Der gesamtgesellschaftliche Versuch der Einebnung von Gegensätzen hatte begonnen. Die Unterscheidung von recht und unrecht wurde relativiert, mit der Gesamtschule wurde leistungsintegrativer Unterricht und damit eine Absage an die Unterscheidung verschiedener Leistungsniveaus praktiziert. Es begann, ganz im Sinne Nietzsches, eine Umwertung aller Werte. Eine linke Gesinnung wurde als gut, richtig und legal, eine rechte hingegen als böse, falsch und illegal angesehen, denn wer „rechts“ sagt, löste damals wie heute Assoziationen an die Nazi-Zeit aus. Dass bürgerlich-konservative Menschen den Nationalsozialismus genauso entschieden verurteilen wie linksliberale, wird bis heute gerne unter den Tisch gekehrt.

Auch auf die Kunst blieb diese gesellschaftliche Umwälzung nicht ohne Folgen: „Die Unterscheidung zwischen kunstvollem Können und Dilettantismus riss Joseph Beuys mit größter Lust nieder: Auch eine zufällig verkohlte Tür konnte Kunst sein, wenn man sie ins Museum stellt. Dieses Denken begann seinen Marsch durch die Institutionen“, schrieb Marco Buschmann kürzlich in der Welt. Er sieht Deutschland heute in einer ähnlich narkotisierten Lage wie damals unter Kanzler Kiesinger. Nur muss sich seit einiger Zeit nicht mehr das konservative Bürgertum, sondern die Linke einem Prozess stellen, in dem sie grundsätzlich hinterfragt wird.

Die Debatte um Joseph Beuys hat seit der in diesem Sommer erschienenen Neuauflage der Beuys-Biographie von Hans Peter Riegel wieder frischen Wind erhalten. Riegel wirft Beuys eine zu große Nähe zu Alt-Nazis vor, andere hingegen verweisen auf die Beziehungen des Künstlers zu Rudi Dutschke und den Gründern der Grünen. Doch Beuys entzieht sich jeder Einordnung in Rechts-Links-Schubladen. Denn er war in erster Linie ein Mensch seiner Zeit, der es gut gemeint hat. Doch darf heute, fünfzig Jahre später, auch die Frage gestellt werden: Hat er es denn auch gut gemacht oder hat er der Kunst möglicherweise keinen Dienst, sondern einen Bärendienst erwiesen? Fragen können helfen, „unscharf“ gewordene Situationen zu klären – in welche Richtung auch immer.

Viel Freude beim Schauen und Lesen wünscht Ihnen herzlich
Ihre Lena Naumann, Chefredakteurin
Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift mundus - epaper die aktuelle Ausgabe 4/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen. …
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Kategorie Reisemagazine, Freizeitmagazine und Wissensmagazine

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Für kunstbeflissene sehr guter Wegweiser.
05.10.2018
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